Südafrika - 12 Monate in der Regenbogennation

Mittwoch, 14. Mai 2014

In der Pampa ist mein zu Haus'!

Hallihallo und so!
Ich melde mich zurück aus der heiß-geliebten Pampa.
Da ich ja nach einem langen, langen Schreibzyklus endlich meine fünfteilige Ausgabe des Urlaubsbericht abschließen konnte, werde ich mich nun wieder mehr den Alltagsgeschichten widmen...Mir ist übriegns ziemlich kalt.

Youth Club mit Lea
Zurück zur Farm. Nachdem ich aus Kapstadt wieder gekommen war, kam ein ziemlich spontane Aktion auf mich zu. Lea, mit der ich zuvor in Kapstadt war, hatte es die zwei Tage davor auf der Farm sehr gut gefallen und außerdem fand sie es schade, dass sie sich keine Projekte von uns angucken konnte, sodass sie kurzerhand entschloss, zurück nach Südafrika zu fliegen um sich weitere drei Wochen dem Leben hier zu widmen. Drei Wochen lang hatten wir entsprechend noch einen weiteren Besucher, bis zu Anjas Abgang waren wir also zu neunt auf der Farm.

Der kleine Merlin
Lea hatte sich recht schnell sehr gut eingelebt (wir sind eine sehr offene Gruppe) und fand Gefallen an unserem sehr reduziertem, aber trotzdem spannendem Leben. Die allgemeine Stimmung hingegen war zu dieser Zeit eher komisch, denn Anja sollte uns nach knapp sechs Monaten schon wieder verlassen - wie schnell doch die Zeit vergeht?! Nach einer durchwachsenen Abschiedsparty und einer schweren letzten Zeit brachten wir Anja am Ostersonntag zur Tankstelle in Groot Marico, wo täglich ein Reisebus mit Ziel Johannesburg vorbeifährt, den sie heute auch nehmen würde. Ein von uns gemachtes Abschiedsbüchlein gab es noch dabei und auf einmal waren wir nur noch zu acht auf der Farm.

Das folgende Wochenende war ein langes, Ende April sind in Südafrika immer sehr viele Feiertage, vor allem für Schulen und Kindergärten. Leider hatten wir nicht wirklich etwas geplant für dieses lange Wochenende, wodurch wir uns bis auf faulenzen, aufräumen und waschen auf einen kleinen Ausflug zu einem Kirchenfest und einem gemeinsamen Mittagessen in einem (also, eigentlich dem Restaurant) in Groot Marico beschränkten.
Auf dem Kirchenfest gab es neben köstlichem Entertainment durch überzeugende Acts mit Buren-Schlager-Musik und passenden, modernen Outfits (vorsicht, Ironie!) auch eine Auktion - versteigert wurden unter anderem Geschenkekörbe, wertvolle CDs der "Drei Brüder des Buren-Schlagers" und zu guter letzt zwei Stafford-Hundewelpen! Wenn das nicht mal ein Fest war...
Um Euch einen kleinen Einblick in dieses neue, unbekannte Genre des Buren-Schlagers zu geben, hier ein Video des neuen Number-One-Hits, des Chartstürmers schlechthin (mit dunklen Haaren und recht durchschnittlichem Gewicht ist Pieter Smith eigentlich recht unburig):


 Um das Fest nicht nur runter zu machen, nun auch etwas sehr positives - an den unzähligen Ständen wurden neben den neuesten Gaspistolen und Elektroschockern, sowie den ebenfalls neuesten Trends der Buren-Arbeiterklamotten (khaki-Hemden und viel zu kurze Hosen) auch Handcrafts der armen Bevölkerung verkauft und der Erlös des extrem günstigen und trotzdem guten Essens ging an die Kirche Groot Maricos.

An einem Wochenende löste Arno sein Versprechen für unsere hohe Beteiligung an den Arbeiten der Fahrradfabrik ein - wir fuhren Samstags morgens um sechs Uhr los, Richtung Pilanesberg Nationalpark (ein kleiner, aber feiner Nationalpark, der sehr nahe bei uns liegt und auch mit den Big Five wirbt). Auf dem Weg fuhren wir noch auf einen Berg, den man bei guter Sicht auf der gegenüberliegenden Seite des Farmwegs sehen kann. Oben auf dem Berg rief Arno Beate auf der Farm an, sie solle doch bitte mit einem Spiegel auf dem Bakkie auf den Farmweg fahren und die Sonne zum Berg hin reflektieren. Tatsächlich konnten wir ein paar Mal ein deutliches Aufblitzen am Horizont erkennen, das konnte nur der Spiegel sein, mit dem Beate auf dem Farmweg stand!
Auf dem Berg
Anschließend ging es weiter in den Park, der landschaftlich auf jeden Fall überzeugend war und nicht so kommerziell ausgerichtet schien, wie es zum Beispiel der Krügerpark oder der Addo Elephant National Park sind. Leider konnte ich wieder keinen Blick auf das fehlende Tier in meiner Tierparkchronik erhaschen, nämlich auf einen ausgewachsenen Papa-Löwen, auch genannt Mufasa. Dafür gab es aber kleine Schildkröten im Wasser, ein großes Nashorn ganz nah, unzählige Giraffen und Elefanten, Gnus, einen Schakal und, und, und. Der Ausflug war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis, vor allem hat das Fahren mit 13 Personen in unserem Minitaxi auch nochmal ein ganz anderes Flair als zu viert in einem Mietwagen (vor allen Dingen mit Arno an Bord ist es doch immer wieder amüsant).
Nach einer auf drei Tage reduzierten Woche (Feiertag und Einkauf in Zeerust) war dann aufgrund von vielen Feiertagen aneinander schon wieder eine Woche Ferien. Um nicht wieder die gesamte Zeit abgeschottet auf der Farm zu hocken, beschlossen wir nach Johannesburg zu fahren. Wir freuten uns sehr, endlich wieder in einer normalen Großstadt zu sein, in der die Divergenz zwischen schwarzem und weißem Leben sehr viel reduzierter ist als zum Beispiel bei uns auf dem Land. Es war schön, einfach in einem modernen Restaurant an der Straße eine Pizza essen zu gehen, begleitet von natürlichem und heimischem Großstadt-Ambiente. Mit dem gemieteten Auto nach langer Zeit mal wieder ein wenig durch die Gegend zu cruisen hatte für mich natürlich auch einen ganz besonderen Charme (VW Jetta "Simon" ist leider schon etwas länger aufgrund eines Wassereinlaufs im Herzen bettlägerig. Verkauf steht ihm bevor...).
Rutscheeeeeeeeen!
 In den fünf Tagen in Joburg waren wir in zwei verschiedenen Backpackern. Der erste, wirklich schöne und nett ausgestattete im Herzen Melvilles (Vorort von Johannesburg in der Nähe des teuersten Viertels Südafrikas) besuchten wir noch mit Lea und Wolfram, in dessen Geburtstag wir in einer Billardbar hineinfeierten. Wir besuchten außerdem eine Mall, in der wie üblich sehr exzessiv geshoppt wurde- vor allem für den anstehenden, harten Winter. Lea verließ uns zusammen mit Wolfram nach zwei Tagen, sie flog zurück nach Deutschland, er fuhr zurück zur Farm. Wir anderen, Toni, Friedi, Freddie, Marlene und ich (Melanie noch mit ihren Eltern im Urlaub) reisten weiter in einen anderen Backpacker nach Braamfontein in der Nähe vom Zentrum. Als Arno hörte, dass wir uns zwei Tage in diesem Viertel aufgehalten hatten, schüttelte er übrigens nur mit dem Kopf und meinte, wir hätten unsere Schutzengel für die nächsten Wochen erst einmal zur Genüge beansprucht. Im Gegenteil aber scheint Braamfontein momentan sehr im Kommen zu sein, an vielen Ecken stehen Parkplatzwärter und Security-Männer, direkt neben hippen und geschmackvoll eingerichteten Bars, Hostels und Restaurants. Wir fuhren von dort aus in einen Freizeitpark der einer von der Sorte war, wie es sich gehört! So normal, schon fast Deutsch, unter so vielen Menschen acht mal hintereinander dieselbe Achterbahn zu fahren...hör mir auf, das Paradies auf Erden - und das für schlappe 10€ Eintritt...
Um auch etwas für die Bildung zu tun, besuchten wir außerdem das uns im Voraus hoch angepriesene Apartheidsmuseum nahe des Freizeitparks. Das Museum eilte seinem Ruf voraus, wir verbrachten knapp fünf Stunden am Stück und ohne Pausen in den Ausstellungsbereichen und waren anschließend gleichauf begeistert und voller Wissen über Südafrikas hochskurrile und interessante Vergangenheit, die erschreckend kurz zurückliegend erst ihren Abschluss gefunden hat und dessen Überbleibsel immer noch merklich zu spüren sind.

Das Brautpaar
Kaum waren wir zurück auf der Farm folgten wir schon am nächsten Morgen einer Einladung auf eine Hochzeit von Friedis Kollegin in der Schule. Unerwartet aufwendig, wie die Hochzeit aufgezogen war, gingen wir in unseren doch ziemlich légèren Klamotten gegenüber der schicken Community etwas unter. Zum Glück bleibt einem bei sowas immer noch der Weißen-Bonus: Als einzige Weiße, noch dazu Deutsche Voluntäre, die zu sechst auf einer gänzlich schwarzen Hochzeit erscheinen, wird man nunmal trotzdem in der Dankesrede erwähnt - auch, wenn man noch dazu aufgrund von Liftmangels erst spät dazustoßen kann, hihi.

Tänzer auf der Hochzeit
Die folgende Woche, mal wieder eine Arbeitswoche, war dann doch eine Farce, denn wir arbeiteten einen Tag bei den Fahrrädern, dann einen Tag in Zeerust für unseren Haushalt und vor allem für unsere bevorstehende Jugendfreizeit "Shalom", anschließend war wegen der Wahlen Feiertag.

Fahrradfabrik
Die Wahlen haben wir doch etwas mehr mitbekommen als erwartet. Die Community hat sich wirklich viel über dieses Thema unterhalten und relativ viele sind wohl auch tatsächlich wählen gegangen (obwohl das Ergebnis für alle Provinzen außer der Provinz Gauteng um Pretoria und Johannesburg eh schon feststand). Wie ihr wahrscheinlich schon vor mir wusstet, hat der aktuelle Präsident Jacob Zuma mit seiner links angeordneten Partei ANC, dem Afrikanischen National Kongress, mit über 60% der Stimmen die Wahl ohne Abstriche an sich reißen können. Obwohl die Partei seit langem wegen Korruption und Inkompetenz in der Kritik steht, bleiben (übrigens fast ausschließlich schwarze) Wähler loyal, denn schließlich haben sie dieser Partei die Freiheit zu verdanken und sind entsprechend ewig dankbar. Dass sich Kapstadts Bischof und Anti-Apartheids-Aktivist Desmond Tutu mittlerweile gegen die ANC stellt und sich "von den Taten und Ansichten der Partei distanziert" wird entweder ignoriert oder nicht gewusst; dass sich Präsident Zuma von umgerechnet 10 Millionen Euro Steuergeldern oder mehr ein angebliches Sicherheitsupgrade für seine Privatresidenz inklusive 25m-Schwimmbecken und Hühnerauslauf einrichtet, wird bei uns zum Teil wiefolgt kommentiert: "Er ist halt das höchste Tier, unser Anführer. Anführer dürfen das halt!".

An diesem Wochenende folgte dann endlich das lange geplante und mit Spendengeldern abgedeckte "Shalom", die Jugendfreizeit, die die Freiwilligen mit den Kindern aus der Quiet Living Region um unsere Farm herum veranstalten (DANKE an EUCH!). In "Shalom" (Hebräisch, "Friede"), wie die Farm heißt, auf der wir uns aufhielten, hatten wir für die Kids viele Aktivitäten vorbereitet, Essen bereitgestellt, Zahnbürsten, Zahnpasta und viele Geschenke gekauft, T-Shirts bemalt und mit Schablonen besprayt, und, und, und. Für die ca. 10- bis 20-jährigen in unserer Gegend um Skuinsdrift, die zur ärmsten Provinz Südafrikas gehört, ist dieses Wochenende das absolute Highlight des Jahres und schon von Beginn an wurden wir mit Fragen um Shalom bombadiert. Nun ist es schon wieder vorbei - Shalom zeigt den Kindern eine nette Alternative zu ihrem Alltag.
Die Shalom-Truppe
Da die Kinder aus armen Verhältnissen kommen, können sie die Kosten des Wochenendes nicht ansatzweise stemmen (sie zahlen für drei Tage umgerechnet 0,70€ pro Teilnehmer), weswegen wir ausschließlich auf Spenden angewiesen waren. Aufgrund der vielen, hilfsbereiten Spender kamen wir auf eine betrachtliche Summe, wodurch wir nicht sparen mussten und den Kindern viele, für ihre Verhältnisse luxuriöse Dinge bereitstellen konnten.
Für uns neun Freiwillige (Thuto Motheo war auch mit dabei) war das Wochenende natürlich sehr anstrengend und hier und dort gerät man bei 30 pubertären, schwarzen, aufgedrehten Jugendlichen, für die man drei Tage lang alleine die Verantwortung trägt etwas in Rage, aber dennoch haben die Tage sehr Spaß gemacht und uns in unserem positiven Gefühl, dass wir aus Südafrika mit nach Hause nehmen werden, bestärkt.

Netz anbringen
Tortransport
In meinen Projekten läuft es so weiter wie seit längerem  schon. Durch die unzähligen Feiertage und der Tatsache, dass meine niedrigste Priorität auf der Schule liegt, gebe ich dort nur noch vereinzelt Nachhilfestunden oder helfe den Lehrern im Unterricht. Letztens wurde ich als Ratgeber und Fragenbeantworter in der 10. Klasse ins Fach Geschichte hinzugezogen, da der Nationalsozialismus gerade thematisiert wurde und ich als Deutsche viel darüber sagen kann. Nach den Ferien im April (kurz nach meinem Kurzausflug nach Kapstadt) konnte ich endlich das noch von Yannick geschweißte und von mir bemalte und benetzte Tor in die Schule bringen. Auf dem Anhänger von unserem Taxi wurde es mehr schlecht als recht befestigt und ich hatte während der gesamten Fahrt nach Koffiekraal Angst, dass es gleich herunterfällt, aber dennoch passierte nichts und das Tor konnte wohlbehalten in meiner Schule abgeliefert werden. Dort wurde noch das Netz befestigt und schon konnten wir das Tor ausprobieren. Achja, ein herrliches Gefühl mal wieder nahezu normal aufs Tor werfen zu können (auch wenn der Kreis nach Augenmaß im Sand gezogen wurde und dauernd verschwand). Meine AG-Mädels waren ebenfalls total begeistert, auch wenn es wirklich extrem schwierig ist, ihnen die richtigen Regeln nahe zu bringen (sie kennen die Sportart überhaupt nicht, auch nicht aus dem Fernsehen oder ähnlichem...).

Einweihen!
Ah Ram Zam Zam in der Crèche
Für den Kindergarten hatte ich bei einem Einkauf in Zeerust 55 Zahnbürsten und eine Packung Zahnpasta gekauft, denn ich wollte dort gerne eine regelmäßige und konstante "Toothbrushing-Time" einführen. Leider werden die Kindergärten nicht mehr staatlich gefördert, sodass diese meist gar keine Mittel haben, wenn schon der Wille zu solchen wichtigen Veränderungen da ist (die Kinder haben oft sehr, sehr schlechte Zähne schon in sehr jungen Jahren, was natürlich nocheinmal dadurch verschlimmert wird, dass nie ein Zahnarzt besucht wird und selbst wenn gar keiner in einem erreichbaren Umkreis vorhanden wäre). Von nun an werden also jeden Tag gemeinsam die Zähne geputzt, die Kids stehen dann alle aneinander gereiht mit Becher und Zahnbürste ausgerüstet am Zaun und versuchen sich im eigenständigen Zähne polieren.

Der Farmweg
So, das war es erst einmal wieder von der guten alten Quiet Living Farm irgendwo im Nirgendwo (uns gibt es übrigens seit Neuestem auch bei Google Maps zu finden!), ich hoffe, in den nächsten Wochen passieren noch ein paar interessante Dinge, die ich Euch dann mit Freuden mitteilen kann. Bis dahin, genießt die warmen Maitage in Deutschland (höhöhöhöhöhöhöhö) und denkt dabei daran, dass ihr wenigstens ins Haus gehen könnt, wenn Euch die 4 Grad draußen zu kalt sind. Peace out!

P.S.: Projekt: t-6 Wochen!!!

Montag, 7. April 2014

In de being in de vacation, ehhh! (TEIL 5)

Hey, hey, da bin ich wieder. Wir starten mit einem minikleinen Farmupdate, nachdem ich die letzte Woche (Schulferien) mit zwei Freundinnen in Kapstadt verweilte und mir erneut die schönen Seiten der Mother City vors Auge führen durfte. Das Klima dort unten hatte sich schon wirklich stark geändert, seit ich das letzte Mal da war. Nix mehr mit Pool, Strand und kurzer Hose auf dem Tafelberg rumklettern! Aber von Kapstadt und der Kapregion kann man wirklich nie genug sehen, sodass ich den Kurztrip, der natürlich nochmal etwas Abwechslung in den Farmalltag gebracht hat, sehr genießen konnte.

Erneut am Kap
Am Mittwoch davor lief die Handball AG wie immer, aber auch andere Sportarten wurden rege betrieben. So spielten mehrere kleine Mannschaften hinter der Schule ein kleines Fußballturnier und ein paar der Mädchen beschäftigten sich mit Netball auf einem erstaunlich guten, mit Linien versehenem Betonplatz. So langsam muss ich Arno auch mal etwas hartnäckiger überreden, das Tor in die Schule zu schaffen, was schon seit Anfang Januar fertig auf unserem Yard steht. Doch durch die Fahrradfabrik und das Beads-Projekt und so weiter ist er so beschäftigt, dass er eigentlich nie Zeit hat, ein riesiges Tor mit seinem Bakkie (Pick-Up) nach Koffiekraal zu fahren... 
Den folgenden Freitag war, wie schon erwähnt, Feiertag, sodass wir uns Donnerstag einen netten Abend gestalteten. Allerdings war es dieses Mal komischer als sonst, weil wir aufgrund der vielen Urlauber und Abgänge der Besucher nur noch zu fünft auf der Farm weilten. So ruhig auf einmal und morgens muss man auch nicht die vielen Menschen halb verschlafen kurz nach dem Aufstehen ertragen.
Lätzchen
Diese Zeit war aber nicht von langer Dauer, denn schon am Freitag Mittag starteten wir Projekt Holi-in-Johannesburg-und-übernachten-in-Pretoria, in das ich schon wieder einiges an Geld investierte. Mit einem Besucher von Annaphie (Thuto Motheo) fuhren wir zusammen nach Joburg, von wo aus wir mit dem extra für die WM gebauten Schnellzug namens "Gautrain" bis nach Pretoria zur WG unserer Freunde fuhren, wo wir dann übernachteten. Am nächsten Morgen ging es relativ früh zu einem Mall-Komplex in einem etwas schickeren Viertel in Johannesburg - mal wieder fühlte man sich eher wie in Südeuropa, anstatt inmitten Südafrikas. In einem italienischen Restaurant (in dem die Karte teilweise tatsächlich italienisch war) genossen wir Lasagne, Pizza oder Pasta inklusive eines von den Kellnern ohne zugelassene Wiederworte angelegtem Lätzchen - Bellissimo!
3...2...1...HOLI
Danach ging es mit dem Taxi weiter zum Botanischen Garten in Joburg, wo das Holi-Festival stattfinden sollte. Auf einmal war (wie verwunderlich) alles grün und ziemlich blütend, auch das eher kleine Festival-Gelände war nett zur Bühne hin an einem Hang gelegen. Am Eingang bekamen wir, alle in weiß gekleidet (so wie ungefähr jeder auf dem Festival) eine Tüte mit fünf Farbpulverpaketen, die man nach Wunsch oder vor allem bei den herbeigesehnten "Countdowns" jede Stunde in die Luft oder auf die Mitmenschen werfen konnte. Sowohl in der Menge (bis auf das erschwerte Atmen in den ersten Sekunden nach dem Kollektivausraster), als auch aus der Entfernung ist das gemeinsame Hochwerfen der verschiedenen Farben echt schön! Ich denke aber, dass die meisten von euch schon selbst auf einem Holi-Festival waren, da diese Festivalreihe momentan ja sehr angesagt ist.
So, same procedure - weiter geht's mit dem Urlaubsbericht.

Kapstadt
Appartment St. James
Da waren wir - zurück in Kapstadt. Die Wohnung, die wir für die nächste Woche bewohnen sollten, war einfach nur prächtig. Am Hang von St. James gelegen (direkt neben Muizenberg auf der Innenseite des oberen Kaps, zum False Bay hin), eingebunden in einen Appartmentkomplex inklusive Pool und Garage, mit Blick von Wohnzimmer und Balkon aus direkt auf's Meer. Außerdem viel Platz zum gemeinsamen Frühstücken und im Wohnzimmer rumhängen, was Philipp und ich natürlich nicht zimperlich ausnutzten.

Kapstadt bei Nacht
Nun sollte also das typische Touristenprogramm für Kapstadt und die Kapregion folgen - zu allererst versuchten wir, den Tafelberg mit der Seilbahn zu "erklimmen", da man nie weiß, wann die Gondel benutzbar ist (durch das wechselhafte und windgeprägte Klima wird die Gondel öfters wegen des zu hohen Risikos geschlossen). Allerdings entschieden wir uns schon am Fuße des Berges, an der Talstation der Gondel wieder um, denn die Schlange für die Tickets ging bis auf die andere Straßenseite, voraussichtliche Wartezeit 1,5 Stunden...nix für uns also. Stattdessen steuerten wir ein Internetcafé auf der Longstreet an, in welchem wir uns online Tickets für den "Table Mountain Cableway" kauften und ausdruckten. Falls an einem der nächsten Tage erneut eine solche Schlange vorzufinden sein würde, wäre das für uns also nicht mehr von Bedeutung, da wir unsere Tickets nun ja schon hatten. Das Alternativprogramm war nun ein kleiner Bummel in der Stadt, durch den Company's Garden im Zentrum und den Green Market Square direkt an der kleinen Fußgängerzone, die parallel zur Longstreet verläuft. Hier gab es natürlich (an alle Italienmarktler aufgepasst!) allerhand Kram zu kaufen, über T-Shirts und Trikots, Besteck, Deko, Gemälde und andere Klamotten bis hin zu Trommeln und riesigen Holzfiguren. Die meisten Sachen werden von Menschen in den Townships rund um Kapstadt hergestellt, sodass der Preis für die ganzen schönen Dinge (vor allem, nachdem man sein Können beim Feilschen unter Beweis gestellt hatte) nicht sonderlich hoch war (der gute Wechselkurs tat seinen Rest).

Brudi und ich - Tafelberg
Am nächsten Tag ging es also endlich auf den Tafelberg, der sich in schönem, sonnigen Wetter mitsamt fast keiner Wartezeit, einem Kaffee im Bergrestaurant und vielen Rock-Dassies von seiner besten Seite zeigte. Auch ein zweites Mal auf diesem besonderen Berg, der sich direkt am Wasser hinter Kapstadt auf einmal 1000 Meter in die Höhe schießt, langweilte mich keineswegs. Meine Familie hatte zum Glück keine Lust, den Tafelberg ab- oder aufzusteigen, ich denke noch einmal hätten meine beim letzten Abstieg neu entdeckten Muskeln das wahrscheinlich auch nicht einfach so mit sich machen lassen.

Zwischen den ganzen Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss, nahmen wir uns zwischendurch immer mal wieder Tage, an denen wir nur am Strand oder in der Stadt waren, lange schliefen oder in unserem supernetten Appartment verweilten. Vor allen Dingen die ins Meer eingebauten Betonpools, die sich ein Stück an der Westküste am False Bay entlangziehen und außerdem neben einem Strand und Duschen liegen, fanden wir ziemlich cool. Die Wellen peitschen regelmäßig gegen die äußeren Wände und bringen zugleich neues, gar nicht mal so warmes Wasser in den Pool. Wenn man sich auf die Kanten stellt sieht es mehr oder weniger so aus als stünde man Jesus-like mitten im Meer und könnte tatsächlich darüber gehen.
Philipp aka Jesus Christus himself

An manchen Abenden gingen wir essen, anstatt selbst etwas zu kochen, so waren wir in einem Fischrestaurant an der Waterfront, in einem netten Restaurant direkt am Meer an der Kalk Bay oder auch einfach nur in der Fast-Food Ecke, in der sich jeder das kaufen konnte, worauf er gerade Lust hatte.
Kap 2.0
Natürlich waren wir auch im Nationalpark am Kap, das heißt wir haben das Kap der Guten Hoffnung in dessen zugehörigen Naturschutzgebiet besucht und dort eine nette Bekanntschaft mit einer Gruppe Baboons gemacht. Gerade wollten Mama und ich ein Bild von den kleinen Affen machen, da hörte ich von hinten ein komisches Geräusch - ein erwachsener Baboon hat einfach die Beifahrerseite aufgemacht, auf der ich vor ein paar Sekunden noch gesessen hatte und mein Vater versuchte, mehr schlecht als recht, von der Fahrerseite aus die Tür wieder zu zu machen und den Affen zu verscheuchen. Dies klappte nicht so gut und als ich zurück am Auto war, hatte der Schelm meine Musik-CDs schon fest in der Hand. Mit verblüffend menschlichen Zügen öffnete er den Drehverschluss der Packung und begutachtete meine bemalten und beschrifteten Rohlinge...als ich vorsichtig versuchte, ihm meine Sachen wieder abzunehmen, fletschte er böse die Zähne und sprang an meiner Mutter und mir hoch, der Herr war doch sichtlich aggressiv. Zum Glück kam uns ein einheimischer Fremdenführer zur Hilfe, der mit einem Schlüsselband so tat als würde er auf die Affen schießen und sie somit erfolgreich vertreiben konnte. Was eine Aktion!

Affe mit meinen CDs
An den weiteren Tagen waren wir außerdem in einem botanischen Garten am Rande von Kapstadt, gelegen am Fuße des Tafelbergs, genannt Kirstenbosch. Hier konnte man eine nette Runde spazieren gehen und heimische so wie auch einige ausländische, eingeführte Pflanzen betrachten und außerdem an dem höchsten Punkt des Gartens die Aussicht über Kapstadt genießen. Auch hier wurde der generelle Ausblick während des Besuchs durch die ständige Anwesenheit der Berge inklusive des Tafelbergs im Hintergrund aufgewertet.

Kirstenbosch
Während unserer Zeit in Kapstadt fand außerdem der berühmte Kapstädter Koon-Karneval in der Innenstadt, im City Bowl, statt. Viele große Straßen waren abgesperrt und am Rande mit Wellenbrechern begrenzt, damit in der Mitte die Musikgruppen ungehindert entlangmarschieren konnten. Die Musiker hatten alle verschiedene, bunte Kleiderordnungen in ihrer jeweiligen Gruppe und spielten zudem auch viele verschiedene Rhytmen und Lieder. So ein bisschen wie unser Karneval halt, nur mit Hitze und Sonne und natürlich ohne Kamelle, Alaaf und verkleidete Zuschauer.

Koon Karneval
Kap der Guten Hoffnung
Zu guter Letzt möchte ich euch noch von Silvester erzählen. An der Waterfront wurde ein umfangreiches, kostenloses Abendprogramm mit doppeltem Feuerwerk angeboten, zu dem wir natürlich gerne hin wollten. Leider waren die Autobahnen in die Stadt hinein so verstopft, dass wir es nicht zu vernünftiger Zeit zur Bühne, die direkt über Wasser seitlich zum Publikum errichtet worden war, schafften. Wir bekamen noch die letzte Band namens "Prime Circle", eine sehr bekannte, südafrikanische Rock/Pop-Band mit, deren Lieder mir soweit auch sehr gut gefielen, bis auch schon der modern animierte Countdown folgte. Die gesamte Menschenmasse zählte mit ins neue Jahr 2014, was witzigerweise bei uns unten bekanntlich schon eine Stunde früher angefangen wurde, als oben im guten, alten Deutschland. Um Punkt 12 wurde also gejubelt und gefeiert, doch sehr bald und nach einem ungewohnt kurzen Feuerwerk war die Party auch schon wieder vorbei und die Besucher bummelten nach Hause oder zu anderen Locations. Die Silvesterfeier war also soweit ganz cool, allerdings muss ich sagen, dass Feuerwerke und Feiern in anderen großen Städten mit Sicherheit größer gefeiert und geplant werden und auch letztes Jahr in Berlin wurde mir sehr viel mehr geboten. Aber die "Capetonier" und Afrikaner generell sind ja eher Frühaufsteher und gehen entsprechend früher ins Bett, fangen früher an zu feiern,...etc.

Signal Hill
An Neujahr wollten wir eigentlich einen gemütlichen Abstecher ans Wasser an den Strand von Muizenberg (berühmte bunte Badehäuschen) machen, allerdings verwarfen wir dies, als wir dort ankamen...der Strand war überfüllt von Menschen, das ganze Meer war voll mit kleinen, schwarzen Köpfen und an ein Foto mit den Badehäuschen am Ende des Strands war kaum zu denken. Diese Menschenmassen am ersten Tag des Jahres waren anscheinend so besonders, dass es ein Luftbild des Strands am nächsten Tag auf sämtliche Titelseiten von Zeitungen schaffte.

Sonnenuntergang Signal Hill
So langsam war es das dann auch mit unserem Weihnachtsurlaub in der Sonne und es kam die Zeit, Abschied zu nehmen und der Familie diverse Sachen mitzugeben, die sie aufgrund von großer Angst vor Übergewicht beim Rückflug doch schon mal mit nach Deutschland nehmen sollten. Papa fuhr mich anschließend in die Stadt, wo Wolfram und Marwin, zwei andere Freiwillige von der Farm und aus Zeerust, auf mich warteten. Wir holten anschließend noch Annaphie aus einem anderen Backpacker ab, bis wir unsere gemeinsame Reise in einem leicht überfüllten VW Polo 1300 Kilometer in Richtung zu Hause starteten. Nach drei Tagen und zwei Übernachtungen kamen wir dann endlich in Johannesburg an, von wo aus Annaphie und ich den Intercape bis nach Groot Marico und nach Hause nahmen. Vollbepackt mit meinen mehr als 25 Kilogramm wiegenden Gepäck wurde ich nach einem langen, anstrengenden Farmweg herzlichst von meinen Mitfarmern zu Hause willkommen.

Zwölf Apostel beleuchtet
Ich hatte wirklich einen supertollen Urlaub in dem ich in meinen sechseinhalb Wochen sehr viel erlebt und gesehen habe. Ich kann jedem nur empfehlen, falls noch nicht geschehen, irgendwann mal einen Abstecher in den süden Afrikas zu wagen und die Landschaften und Mentalitäten zu genießen. Auch das Backpackerleben war entspannt, spontan und unkompliziert, sodass ich auf diese Möglichkeit des Reisens jederzeit gerne wieder zurückgreifen werde.

Bis zum nächsten Blogeintrag und habt Freude am deutschen Frühling...so langsam wird es hier nämlich echt kalt, die Dinge verschieben sich...bei euch ist jetzt langsam T-Shirt-Wetter, während ich so langsam meine drei Lagen Decken und dicke Pullis rauskramen muss!

Dienstag, 18. März 2014

In de being in de vacation, ehhh! (TEIL 4)

Dumelang bagolo! Wir starten, wie gewohnt, mit einem kleinen Farmupdate.
Hier erst mal unser lang erwartetes FARMVIDEO, was wir zur Vorstellung auf unserem Zwischenseminar gedreht haben. Bitte das Lachen über mich verkneifen - es macht zwar den Anschein, als fände ich Südafrika nicht so ganz so toll, das entspricht aber natürlich nicht der Wahrheit...Die Sonne hat geblendet... und so...! Ansonsten hoffe ich, dass ihr einen guten, kleinen Eindruck in unsere Welt bekommt. Ich finde das Video ist wirklich gelungen (danke an Freddie für die Nachtschichten) und sogar für unsere Katzen konnte ich eine Szene ergattern.


Am Wochenende nach meinem letzten Bericht ging es mit unseren weißen Nachbarfarmern Johann und Atti auf deren Bakkie zu einem Rugbyspiel Blou Bulls Pretoria gegen Cheetahs Bloemfontein (entsprechend in Pretoria). Leider hat es, wie es auch in den darauffolgenden drei Wochen werden sollte, fast die ganze Zeit geregnet und entsprechend leer und ungemütlich war es im Stadion. Auch das Spiel an sich konnte man trotz vorher nahegebrachten Regeln nicht wirklich verstehen.
Rugby 
Das grobe Spielprinzip war zwar klar, trotzdem haben die Leute um uns herum manchmal gejubelt, während wir verdutzt und unwissend, worüber gejubelt wurde, daneben saßen. Das Spiel war dennoch sehr spannend und gut anzusehen, auch unsere Plätze waren hervorragend. Anschließend sind wir noch in die naheliegende Sportlerbar weitergezogen, nach kurzer Zeit hat es uns aber mit einem weiteren Freund von unseren beiden Begleitern in einen nicht ganz naheliegenden Club gezogen. Leute...ihr werdet es nicht glauben! Auf dem einen "Floor" wurde typische Elektromusik gespielt, die hier und da auch Charts enthielten. Und auf dem anderen...ein großer Saal mit Tischen und einer Tanzfläche auf der durchgehend zu bekannten Oldies Discofox getanzt wurde - natürlich NUR unter Pärchen! Wir sind wirklich nur sehr, sehr schwer auf diese Entdeckung klargekommen...ich glaube zu Mamas und Papas Zeiten (sorreeeey!) nannte man das "in die Tanzschule gehen" oder so in der Art!

Am Dienstag waren Friedi und ich mit zwei Ehemaligen (die zur der Zeit bei uns zu Besuch waren) bei einer Köchin der Grundschule zum Mittagessen eingeladen. Wir brachten als Dank eine Runde "Cold Drinks", wie die schwarze Bevölkerung hier alles von der Coca-Cola-Company nennt (was anderes gibt es auch glaube ich gar nicht zu kaufen), mit und genossen anschließend das leckere Hackfleisch in Bratensoße mit Kohlsalat und roten Beeten. Bei Emely, unserer Gastgeberin, konnte man sich wirklich wohl fühlen und die Gespräche mit ihr gingen zu unserer Freude auch über das Wetter und die üblichen Beschwerden hinaus (Voraussetzung: sie kann sehr gut Englisch).

FNB Stadium Joburg
Am Mittwoch ging es erneut für uns auf Tour - mit unserem Taxi, das uns alle und den Fahrer Scara sowie unseren Farmbruder Thapelo fasst, in Richtung FNB Stadium, Johannesburg. Hier sollte nämlich an diesem Abend das Fußball-Freundschaftsspiel Bafana Bafana (südafrikanische Nationalmannschaft) gegen den Austräger der kommenden WM, Brasilien, sein. Unsere Hoffnungen, dass Brasilien aufgrund der nahenden, heimischen WM nicht mit der B- oder C-Mannschaft aufläuft, wurden sogar erfüllt.
Bafana Gruppenbild
So standen Superstars wie Neymar, Dani Alves, Cesar oder auch Dante auf dem Feld, was aber ehrlich gesagt auch gleichbedeutend war mit der Niederlage in diesem Spiel (Bafana Bafana hat sich leider nicht für die WM qualifizieren können), die am Ende in einem 0:5 stand. Trotzdem war die Stimmung im Stadion super, auch wenn die meisten Südafrikaner für Brasilien jubelten und tanzten. Zitat einer Frau: "No, I am not Brazil, but most of the people in the stadium are not even South African. So, as I like to win and go home happy, I am Brazilian today." - klar soweit? Natürlich wurde das Stadion auch erst nach der 1. Halbzeitpause so richtig voll. So gut wie 50% der Zuschauer kamen also, wie sollte es in diesem Land auch anders sein, zu spät - African Time halt!

Qhubeka Fahrradfabrik
Von Donnerstag bis Montag mussten wir erneut durchgehend in der Fahrradfabrik arbeiten. Wir haben uns ein Konzept überlegt, wie man langfristig etwas aufbauen könnte und wie die Umsetzung dafür aussehen würde. Außerdem natürlich wohin das ganze umgesiedelt werden sollte, wer was macht, wo die Teile gelagert werden etc. Letztendlich haben wir es auch geschafft und mittlerweile läuft die Fahrradfarbik, ohne dass wir noch viel unter die Arme greifen müssen. Ein Glück, denn nachdem wir nun gar kein Wochenende hatten und alle durchgearbeitet haben, sind wir total kaputt und bei dem ein oder anderen (natürlich auch mir) deutet sich schon wieder eine Krankheit an. Nachdem es die letzten drei Wochen wirklich ungemütlich, kühl und regnerisch war, kommt aber nun endlich mal wieder die Sonne raus. Vielleicht können wir auch noch schnell unsere Bräune etwas auffrischen, die natürlich schon etwas verschwunden ist und je mehr es in Richtung Wintermonate geht natürlich auch schwerer zu erhalten ist.

Am gerade vergangenen Wochenende hatten wir endlich einmal wieder unsere wohlverdiente Ruhe - aber auch gar nicht so lange. Zwar sind die Fahrräder nochmal ein ganz anderes Kaliber, aber seit Sonntag haben wir auch wieder sehr viel Besuch, vor allem Freunde und Familie.
Flip-Cup
Für das kommende Wochenende haben wir uns gerade eben Karten für ein Holi-Festival in Johannesburg gekauft, sodass unser Wochenende auch schon wieder verplant ist: Freitag (Feiertag) geht es gemütlich Richtung Johannesburg (da Simon mal wieder Aua hat, müssen wir wohl trampen), Samstag ist dann tagsüber das Festival und Sonntag trampen wir zurück. Übernachten werden wir bei Freiwilligenfreunden in Pretoria, die mit uns an dem Vorbereitungsseminar in Bad Honnef letzten Juni teilgenommen haben. Ich bin mal gespannt!

So, nachdem ihr jetzt schon mal ein gutes Stückchen zu lesen hattet, wie immer weiter im Urlaubsbericht (der vorletzte Teil!).

Kapstadt
Camp's Bay Meeraussicht
Die fünf Tage, die ich alleine in Kapstadt verbrachte, waren als Abwechslung auch mal schön, schließlich war ich drei Wochen lang von zwei Irren namens Freya und Freddie verfolgt worden. Das Negative war allerdings mein Gesundheitszustand. Nachdem sich meine beiden Begleiter kurz vor und auch noch während meines Geburtstags alles "Böse" aus sich verbannt hatten, kam es mir so vor, als bräuchte ich das auch mal, damit es mir besser ginge. Dauernd war mir hier und dort übel, ich hatte Kopfschmerzen und war müde. Natürlich blieb ich trotzdem nicht lange auf dem Dorm, in dem ich schlief, sondern ließ mich in die Straßen und Gebäude Kapstadts treiben. An meinem Geburtstag war witzigerweise ein Feiertag, der Reconciliation Day, sodass die Geschäfte zu hatten und in den Straßen Kapstadts der Tag in Form eines riesigen Musikumzugs gefeiert wurde. An meinen restlichen Tagen war ich außerdem zweimal im Kino (erst fand ich es komisch alleine, doch dann habe ich sehr schnell andere Alleingänger gefunden), trieb mich in den Malls rum, war beim Friseur, war im Pool des Backpackers und bin auf den Märkten geschlendert. Schon waren die Tage alleine vorbei und ich fuhr mit dem Bus zum außerhalb liegenden Flughafen, um meine Eltern abzuholen...

Sonnenuntergang Signal Hill
Am Flughafen wartete ich anschließend noch recht lange und konnte mich aufgrund meines massigen Gepäcks auch nicht mal zum Klo bewegen. Um mich herum saßen viele Andere, die auch sehnlichst auf die ankommenden Passagiere warteten. Alle guckten gebannt auf den Arrval-Ausgang, schauten zu, wie eine Person nach der anderen aus der Tür marschierten - bis ich endlich meine Eltern und meinen Bruder erblicken konnte. Ach herrjemine...sind die weiß gewesen! Der deutsche Winter hatte quasi schon die ganze Farbe genommen und vor allem wenn man an die dunklen Menschen in Kapstadt denkt, erschien meine Familie doch etwas blass, einfach etwas widersprüchlich zu meinem momentanigen Sommergefühl.
Dödööööööööööööm!
Nachdem ich außerdem feststellen konnte, dass mein Bruder nur um ein paar Zentimeter gewachsen war (sorry, Philipp - ich hatte ja schon Angst, dass du auf einmal größer seist als ich), mieteten wir unser Auto und Papa brauste mit hochtourigem Scheibenwischer anstatt zu blinken und kleiner Überforderung in den regen Verkehr Kapstadts hinein. Unsere erste Unterkunft fanden wir nach langem Heckmeck (willkommen in Afrika!) in einem leicht vernachlässigtem Stadtteil Woodstock im Osten Kapstadts. Unser nettes, zweistöckiges Appartment inklusive Frühstücksbuffet fand ich, nach langer Abwesenheit solch eines Luxus' natürlich ganz besonders toll. Es gab sogar Croissants, Teilchen und Orangensaft zum Frühstück!

Robbi am Strand
Am ersten Tag unseres zuerst einmal zweitägigem Kapstadtaufenthalts schafften wir es zum Strand, wo Philipp mitsamt Handy eine ungewollte Dusche einer Monsterwelle genießen konnte und sich am Strand eine Robbe zu uns gesellte. Diese fühlte sich sehr wohl im Schatten des Sonnenschirms unserer Nachbarn, mit dem Kopf lässig auf deren Kühltasche aufgelegt - sah sehr komfortabel aus!
NOCH trocken! Hehe
Am nächsten Tag ging es außerdem auf kleine Erkundungstour in die Waterfront Mall am Hafen, wo wir zu später Stunde auch noch etwas nettes zu Essen in einem Restaurant namens "Ocean Basket" genießen konnten. Die Waterfront hat bis zu später Stunde geöffnet und bat, vor allem zur Vorweihnachtszeit, ein tägliches Abendprogramm in Form von Bands und Vorführungen und außerdem eine riesige Auswahl an Restaurants und Imbissen - hier ist also so gut wie für jeden etwas dabei. Der Familie ließ ich später noch einmal in meine seither schon riesigen Fotosammlung einblicken, bevor wir uns früh ins Bett begaben, da uns am folgenden Tag eine voraussichtlich neunstündige Fahrt in Richtung Port Elizabeth zum Addo Elephant Nationalpark erwartete.

Addo Elephant Park
Eli-Badewanne
Wir verließen unser Appartment wie geplant Ketzbergisch früh (also gegen halb elf) und fuhren auf der Autobahn Richtung Norden (für mich sozusagen ein großes Stück zurück, denn ich kam ja mit Freddie und Freya aus der Richtung). Ich hatte meinen üblichen Spaß am Fahren, natürlich gekoppelt mit schön lautem Musikhören (Mama hat sich gefreut, vor allem da die Bassboxen im Kofferraum installiert waren - zum Glück war das neue Album von Sunrive Avenue für sie geschmacklich Okay). Nach tatsächlich langer Fahrt mit nur einer Pause, kamen wir im Dunkeln in unserer Unterkunft direkt neben dem Addo Elephant Park an. Ein geborener Schweizer grüßte uns sogleich auf Deutsch und empfahl uns zum Essen das nebenan liegende Restaurant. Gerne folgten wir der Empfehlung und strichen unsere Makkaroni-Abendplanung für einen netten Abend im gut bürgerlichen südafrikanischem Restaurant, schließlich war heute Heiligabend und so konnte man einen Tag im Auto etwas entspannter ausklingen lassen. Das Restaurant hatte irgendwas, die Küche war nur durch eine Halbmauer abgetrennt, alles wurde selbst angebaut oder war selbst geschossen und es gab typische südafrikanische Küche - Papa und Mama ließen es sich mit Spezialitäten wie Strauß, Kudu und Springbok-Tartar schmecken, Philipp griff natürlich eher zu einem Hühnchenbrustfilet. Die Unterkunft namens "The Aardvark" (engl. für Erdferkel, hihi) war wirklich toll und schlicht eingerichtet und hatte außerdem eine für uns perfekte Lage, da man innerhalb von fünf Minuten am Haupteingang des Parks war. Leider musste ich Abends über ein kleines Yard gehen und mich in mein Bett im Dorm legen - Da ich zur Zeit der Buchung noch nicht wusste, ob ich um die Zeit schon in Kapstadt gewesen und mitfahren hätte können, wurde zuerst nur ein Dreierzimmer gebucht, was später nicht mehr in ein Viererzimmer umgebucht werden konnte. Das Ganze war für mich natürlich halb so schlimm, da ich an das Schlafen im Dorm durch die letzten drei Wochen sowieso gewöhnt war und auch das Dorm schön war.

Viele Babieeees
Am nächsten Morgen ging es gegen sieben los zum Park. Aus meiner Erfahrung des Krügerparktrips wusste ich, dass sich die Tiere am liebsten Morgens und Abends aktiv rumtreiben, sodass ich sozusagen befahl, bei Öffnen der Tore am Park zu stehen. Für mich war es vor allem überraschend, wie grün und bunt alles war, schließlich war mein erster und letzter Parkbesuch bereits im Winter gewesen, wo die herrlichen Sommerfarben Südafrikas sich noch versteckt hielten. Wir sahen natürlich sehr viele Elefanten, aber auch Wildschweine, Schilkröten, Büffel, Strauße, Zebras und vieles mehr. Vor allem die ganzen kleinen Babytiere begeisterten mich, denn die meisten Arten haben gerade, Anfang bis Mitte des Sommers, ihre Kleinen geboren.
Kalte Dusche gegen die Hitze
Absolutes Highlight war außerdem, als wir eine Wasserstelle entdeckten, an der sich gerade eine oder mehrere Herden Elefanten, bestehend aus plus/minus 50 Tieren, badeten. Auch sehr viele kleine Babyelefanten waren dabei, sodass ich mich vor Freude gar nicht mehr halten konnte. Platsch, platsch, täräääääääää! Im Gegensatz zum Krügerpark (da gibt es ja jetzt so ein tolles, neues Video, das bei Youtube kursiert und auch unser Schicksal hätte sein können, wäre ich nicht damals mit Vollgas vor dem wütenden Bullen geflohen), waren die Elefanten sehr zutraulich und stark an Autos gewöhnt, sodass es überhaupt kein Problem war, wenn sich ein paar der Tiere zwischen den Autos versammelten und dort vor sich hin faulenzten oder (natürlich!) aßen. Nach einem sehr ergiebigen Besuch im Park ging es Abends zum gemeinsamen Grillen in der Unterkunft, schließlich war erst heute, am 25. Dezember, Weihnachten für die Südafrikaner, sodass zusammen gegrillt und gegessen wurde.

Plettenberg Bay
Frühstück
Am nächsten Morgen starteten wir schon wieder zu unserem nächsten Ziel - Plettenberg Bay. Der idyllisch am Berg Richtung südosten gerichtete Küstenort, der nicht umsonst gerne mit dem Ibiza Südafrikas verglichen wird, sollte unsere nächste Station werden. Mit einem kleinen Abstecher zum bereits vorher von mir besuchten Weißenort Jeffrey's Bay und dessen wunderbaren Sandstrand und Outlets, ging es über die riesige und hohe Bloukrains Bridge (meine Familie fand die Autobahnbrücke schon ohne Bungeejump ziemlich hoch und beeindruckend) nach "Plett", wie es Einheimische liebevoll nennen. Unsere dortige Unterkunft war wahnsinnig altmodisch, aber auch wahnsinnig gut gelegen. Mit Aussicht über die gesamte Bucht beim Frühstück inklusive Sonnenaufgang kann man auch über die in pinke Strickklamotten eingepackte Klopapierrollen und Tempoboxen, sowie über goldene Duschdrehknöpfe und purpurne Kopfkissen hinwegsehen. Unsere in die Jahre gekommene Gastgeberin, die hier und da mit konservativ-apartheidgeprägtem Unterton warnte, Abends nicht zu Fuß unterwegs zu sein, war übrigens total geschockt, als wir auf einmal mit vier anstatt mit den angekündigten drei Personen vor ihrer Haustüre standen. Diese Aktion war sozusagen gleichzusetzen mit dem Weltuntergang oder dem ultimativen Schreckensjahr 1994 (Abschaffung der Apartheid - Ahhhhh).
Doppelregenbogen
Am ersten Tag ging es (für mich zum zweiten Mal) zum Tsitsikamma National Park. Wie schon berichtet, ein super schöner Naturpark mit beeindruckender Stahlbrücke über den Stormsriver direkt an der Flussmündung. Zwischendurch hat es leicht gefisselt, was aber trotzdem bei strahlender Sonne passierte, sodass wir einen spannenden Doppelregenbogen sehen konnten. Auch viele der Rock-Dassies begegneten uns aufs Neue. Auf dem Rückweg vom Park machten wir noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt von "Face Adrenalin", dem Bungeejumpanbieter. Die Jubel- oder Angstschreie der Springenden hört man witzigerweise durch das ganze Tal (ich glaube Mama war ganz froh, dass sie bei meinem Sprung nicht dort stand). Abends gab's für uns noch eine leckere Pizza in einem netten und einfachem Essensmarkt, wo man sogar seine Getränke selbst mitgebracht und neben seinen Tisch gestellt hat. Irgendwie so eine Art Fressmeile in Form eines Marktplatzes!
Baby-Affe hält sich bei Mami fest
Am folgenden Tag ging es dann noch einmal Richtung Osten - zu mehreren Parks, die uns empfohlen wurden. So bestaunten wir bei netter Führung viele verschiedene Affenarten, besuchten einen riesigen, vielfältigen Vogelparkkomplex und einen Raubtierenpark, in dem man vom Sibirischen Tiger bis hin zum Jaguar alles in viel zu kleinen Käfigen beobachten konnte.
Nach einem erneut sehr altmodische-Oma-lastigen Gespräch beim Frühstück über dies und das, ging es für uns zurück zur Mother City - Kapstadt.

Über den weiteren Urlaubsverlauf in Kapstadt und meiner Heimfahrt, sowie die neuesten Farmgeschichten werde ich dann in meinem nächsten Eintrag berichten (der hoffentlich vor den in eineinhalb Wochen anstehenden Ferien und meinem weltwärts-Bericht, sowie meinem Kurztrip nach Kapstadt fertig sein wird).

Salang sentle, Amigós!

Mittwoch, 26. Februar 2014

In de being in de vacation, ehhh! (TEIL 3)

T-Shirtvergabe
Hallo zusammen! Kurzes Farmupdate: Momentan sind wir auf der Farm selbst sehr beschäftigt, denn es läuft gerade eine Fahrradfabrik von Qhubeka an, in der aber zuerst einmal wir Freiwilligen arbeiten müssen. Das heißt, dass ich den Großteil der letzten Woche und auch das Wochenende damit verbracht habe, Rädern von Fahrrädern zusammen zu schrauben, zu balancieren, mit dem Schlauch zu versehen und, und, und. Außerdem kam eine Großbestellung für eine neue Serie "Beads"-Armbänder rein - 4000 Armbänder in vier Tagen, nach Größe sortiert und verpackt. Aber nicht, dass in Südafrika jemals Hektik aufkommen würde...
Mannschaftsfoto
Am vergangenen Wochenende ist, sozusagen zu unserem halbjährigen Jubiläum  (letzte Woche war es genau sechs Monate her!), die zweite offizielle Farmparty gestiegen, bei der um die die 50 Leute aus allen möglichen Richtungen gekommen sind. Am Freitag waren wir außerdem das erste Mal in der Tavern von Skuinsdrift, wo die Locals zum feiern hingehen. Unser Auto Simon wird heute auch wieder von der Intensivstation in der Werkstatt in Groot Marico entlassen, sodass wir endlich wieder (mehr oder weniger) selbst fahren können. Der absolute Höhepunkt darf natürlich auch nicht fehlen: Letzten Mittwoch konnte ich endlich die T-Shirts, die ich dank meiner lieben Ex-Trainer Conny und Armin Adolphs und natürlich mit Hilfe meiner Eltern nach Südafrika bringen konnte, an das Team der AG verteilen. Die Mädels haben sich total gefreut, schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass eine Freiwillige ihnen so tolle, neue Shirts als Trikots für die Handball AG vorbei bringt. Danke also noch einmal an die Beteiligten, das war wirklich eine gute Sache!!!

Und weiter geht er, der Urlaubsbericht Teil drei.

Mossel Bay
Mossel Bay bei Nacht
Mossel Bay fiel uns wegen der netten Lage auf einer Erhebung entlang der Küste auf - wegen mehr aber eigentlich auch nicht. Soweit wir das beurteilen konnten, handelte es sich bei Mossel Bay um eine stinknormale Küstenstadt, die aber vor allem wegen der möglichen Aktivitäten, die hier buchbar waren, bekannt ist. Aber, wie wir bisher schon feststellen konnten, ist der Ort immer nur so gut wie der Backpacker...und unserer war halt dieses Mal nicht so berauschend. Die Idee, die Leute an einer alten Bahnschiene entlang der Küste in alten Wagons schlafen zu lassen, ist durchaus gut - wurde allerdings nicht so toll umgesetzt. Abends war nichts los, generell waren wir wohl das falsche Volk für diese Unterkunft...nur ein Dorm war besetzt, wo zu guter Letzt auch noch andere Deutsche nächtigten. Voooooooll öde also. Dafür konnten wir uns aber endlich ein wenig den Schlaf zurück holen, den wir bisher hier und da mal verloren hatten.

Noch gegen Nachmittag, kurz nach unserer Ankunft, kümmerten wir uns um die Adventures, die wir vorhatten. Leider sagte man uns, dass momentan keine Paragliding-Saison sei, weshalb ein Flug nicht möglich wäre...Schade, schade. Aber erstmal wurde das Elefantenreiten von Freya und mir und der Fallschirmsprung von Freddie gebucht - dann wollten wir weitersehen.
Elefantenreiten
Am nächsten Morgen ging es, mehr schlecht als recht, zum Elefantenreiten in einem nahegelegenem Nature Reserve, wo uns Freddie absetzte, bevor er weiter zum Flugplatz in der Nähe fuhr. Gerade noch rechtzeitig kamen wir zu unserem 30-minütigen, 35€- teuren Rundritt am Reserve an, wo wir sofort und ohne große Umschwünge auf die Elefanten gesetzt wurden. Zu unserem Glück (Freya und ich sind WIRKLICH soooooooo große Pferde-Fans) wurde uns auch noch ein Reiterhelm aufgesetzt - als ob das was gebracht hätte, wenn ich tatsächlich vornüber von diesem vier Meter hohen, 60 Jahre alten Bullen gefallen wäre...
Das Reiten an sich war sehr nett, vor allem die Landschaft in dem Reserve hat mir gefallen. Auch die Guides, die wirklich sehr bemüht waren, uns etwas über Elefanten zu erzählen, waren sehr freundlich und aufgeschlossen. Dass die Elefanten nämlich "strictly scheduled" sind und entsprechend der Ritt nur dreißig Minuten dauerte und auch keine Minute länger gehen durfte, kommt nämlich daher, dass sie "angry" werden wenn sie aufhören müssen zu essen. Elefanten essen nämlich im Schnitt 16 Stunden am Tag und unterbrechen dies nur, um sich zu baden oder kurzzeitig auszuruhen. Okaaaay, na dann kann ich das ja verstehen, wir wollen ja nicht, dass die lieben Dickhäuter aufgrund von Unterernährung "angry" werden!
3...2...1...
Nach dem Ritt mussten wir noch drei Stunden auf Freddie warten, bevor wir in ein nettes Restaurant am Strand gingen, um unseren Hunger zu stillen. Anschließend besuchten wir das andere Adventure-Center im genau so anderen Backpacker (sehr viel schöner), um uns dort um unsere nächste Aktivität zu kümmern...Freya und ich blätterten ein wenig in dem Buch und fanden es immer noch sehr traurig, dass uns das Paragliden am Strand von Südafrika verwehrt bleiben sollte. Schließlich blieb nur noch eine Option: "Bungeejump?" - "Ja, okay, machen wir das." - "Okay, ist gebongt. Please book us two jumps for tomorrow!".
...BUNGEEE!!!
Diese vorschnelle Entscheidung, die mehr oder weniger aufgrund fehlender Alternativen getroffen wurde, sollten Freya und ich am nächsten Tag nach einer zweistündigen Fahrt zurück zur Bloukrains Bridge am Storms River (nahe Tsitsikamma) vielleicht bereuen. Zumindest rutschte uns das Herz wirklich in die Hose, als wir uns vor dem Sprung dummerweise noch einmal zum Aussichtspunkt begaben...Nach einigen Einweisungen und dem Gang zur Absprungplattform, die direkt unter der gewaltigen Autobahnbrücke liegt, war es dann für uns so weit. Vor allem, als ich auf einmal Freya auf der Anzeige an dem Seil hängen sah, wie sie da so hin und herschlackerte, wurde mir etwas schlecht. Schließlich ist es nochmal was ganz anderes, wenn du irgendjemanden in irgendeinem Video dort hinunterspringen siehst, oder wenn du diese Person kennst und sie vor gut einer Minute in Fleisch und Blut, mit den Klamotten die dort auf der Anzeige zu sehen waren, neben dir stand! Zum Glück lief auf der Absprungplattform die gesamte Zeit ein guter Musikmix, es sprangen in dieser Runde insgesamt 30 Leute und die Angestellten waren auch super nett und locker drauf. Mein eigener Sprung war anschließend der absolute WAHNSINN. Ich kann das auch gar nicht so genau beschreiben und brauchte sehr lange, um mir der ganzen Aktion klar zu werden, aber Fakt ist, es war wirklich einfach nur WAHNSINN. Wenn Ihr wollt, guckt euch das Video an, was ich anschließend im Shop erworben hatte und später hier hochladen werde.

Hermanus
Küste
Next Stop: Die für die optimalen Bedingungen zum Walbeobachten bekannte Küstenstadt Hermanus. Hermanus liegt bereits sehr nahe an Kapstadt, uns war also auch bewusst, dass dieses einer unserer letzten Aufenthalstorte unseres Urlaubs sein sollte. Leider hatten wir hier nicht so gutes Wetter, schon als wir ankamen war es ungemütlich und bewölkt. Dafür hatten wir ein sehr nettes Familienzimmer (etwas anderes war leider nicht mehr frei), welches in einem separaten Haus eine Querstraße entfernt vom Haupthaus des Backpackers lag. Den Abend verbrachten wir genau dort und fanden (so wie so oft) eine Gruppe Deutschsprachiger vor, die auch gerade in Südafrika Backpackerurlaub machten. Generell war es wirklich sehr erstaunlich, wie viele Deutsche sich in diesem Land tummelten...da Südafrika eigentlich gar nicht so präsent ist für den Deutschen (dachte ich jedenfalls - "Wo hin gehst du nach Afrika?" - "Nach Südafrika" - "Ja, und in welches Land in süd Afrika?" - ?!?!), hatte man mehr "anderes Volk" erwartet und irgendwie ist es schon blöd, in einem abenteuerlichen Urlaub am anderen Ende der Welt so viele Deutsche zu treffen.
Düsteres Flair
Anyway...jedenfalls erzählten uns unsere neuen Freunde auch, dass es wohl keine Wale mehr zu sehen gebe, was zwar jetzt  nicht unserem Traum, aber schon irgendwie den realistischen Erwartungen entsprach - schließlich wird die Walsaison in jeglichen Reiseführern von Mai bis November beschrieben, da versprach man sich von Mitte Dezember nicht so viel. Trotzdem hatten wir ein wenig Hoffnung, die als bald zerstört wurde. Trotzdem hatten wir einen schönen folgenden Tag in Hermanus, da die Küste eine sehr besondere Vegetation und Felsformation aufweist.
Selbst bei schlechtem Wetter hat dieses kleine Örtchen eine wirklich überragende Ausstrahlung, ich will gar nicht ahnen, wie schön es dort inklusive Wale und schönem Wetter sein könnte. Trotzdem stand gegen Mittag unser nächstes Ziel an - es sollte weiter gehen in die für Wein und gutes Essen bekannte Studentenstadt Stellenbosch, was nördlich von Hermanus und östlich von Kapstadt liegt.

Stellenbosch
Weinprobe
Schon vorher buchten wir für Stellenbosch (wie sollte es auch anders sein) eine Weintour, die sich in Kombination mit dem Backpacker buchen ließ. Dies bedeutete natürlich gleichzeitig, dass wir zwei Übernachtungen bleiben mussten, schließlich sollte keiner mehr nach einer fünfstündigen Weinprobe mit Agathe Unpower durch die Gegend cruisen. Der Backpacker an sich, entspannt und relativ zentral, war eigentlich DER Inbegriff von Backpacker. Teils abgeranzt, ziemlich zugedrönter Besitzer der aus dem nahen Osten zu stammen schien, nur fünf Parkplätze, Billardtisch, überall hängen Leute auf Sofas ab, neben dem Frühstückstisch im sehr netten und sonnigen Garten steht ein Haschpflänzchen (leider haben wir vor lachen vergessen ein Foto zu machen...). Aber vor allem von der Stadt waren wir geflasht - hier könnte man wirklich gut und gerne vergessen, dass man sich in Südafrika befindet, einem Land, das zum Teil noch zur dritten Welt gezählt wird und übrigens NICHT in Europa liegt! Stellenbosch kam uns eher vor wie eine nette südeuropäische Metropole, was höchstwahrscheinlich durch den recht hohen französischen Einfluss zur Kolonialzeit in Südafrika zu begründen ist.
Boschendal Weingut
Die Weintour, die am Morgen gegen neun Uhr los ging, war wirklich sehr nett. Zwar war alles etwas gehetzt und nur hier und da angeknackst, aber trotzdem haben wir viel über die Herstellung von Weinen, deren Geschichte, Unterschiede und vieles mehr gelernt. Ich konnte für mich nur ums Neue unterstreichen, dass ich wirklich keinen Rotwein mag. Allerdings sind wir in einer langen Diskussion einstimmig zu der Schlussfolgerung gekommen, dass das wohl am Alter liegen würde und wir in 15 Jahren bestimmt alle innige Rotweinliebhaber sein werden (höhö). Auch ein nettes Mittagessen in der französisch geprägten Gourmet-Ecke Franschhoek war in unserer Tour mit inbegriffen (wenn auch wieder sehr gehetzt). Die drei Pärchen, die aus verschiedensten Ländern kamen und mit uns die Tour fuhren, waren auch sehr interessant und wir entschlossen uns nachher gemeinsam dazu, noch einen Abstecher in die Innenstadt zu machen, weil dort ein Straßenfest mit (oh-ho) Weinverkostung sein sollte.
Weinberge
Tatsächlich, für R30 musste man sich am Anfang ein Weinglas kaufen, mit dem man an jedem x-beliebigen Stand jeden x-beliebigen Wein verkosten konnte. Außerdem war die kleine Straße gesperrt, sodass Platz war für eine aufgeweckte Sing- und Tanzgruppe aus Soweto, die dem (im Vergleich zu unseren schwarzen Locals um die Ecke) etwas steifen Publikum einheizte. Da kommt vor allem die Frage: Wieso kann eigentliche JEDE schwarze Frau und JEDER schwarzer Mann so gut singen?! Gibt's denn sowas...? Wie auch immer, nachdem wir genug hatten von dem Straßenfest und es langsam auch etwas frisch wurde (man näherte sich ja immer mehr der windigen, am eisigen Atlantik liegenden Westküste), aßen wir noch was bei einem Thai-Imbiss und ließen den Abend so ausklingen.

Kapstadt
Am nächsten Tag war es dann endlich so weit: Es sollte weiter gehen in eine der schönsten Städte der Welt, der Ort der Vielfalt überhaupt, in eine Ikone der Großstädte - nach Kapstadt, oder Mother City, wie sie die Südafrikaner liebevoll nennen. Schon die Fahrt in die Region war ein Highlight für sich, zuerst durch die letzten Weinberge Stellenboschs, dann über die letzten Küstengebirge vorm Meer.
Tafelberg
Den Ausblick, dem einen über den Pass mit Blick auf Somerset West bei schon etwas niedrigstehender Sonne zuteil wird, ist einfach nur verblüffend. Wie kann etwas so irreal, so toll aussehen? Der Wind nahm auch immer weiter zu, bis wir endlich in DIE Stadt hineinfuhren, was sofortig mit einem riesigen Verkehrstumult unterstrichen wurde - Holla die Waldfee wurde ich auf einmal gestresst in diesem vier- bis sechsspurigem Wahnsinnsverkehr. Auch Steffi mochte nicht mehr so richtig navigieren, sodass wir uns erst ein paar mal verfahren hatten (macht im Berufsverkehr im unbekannten Kapstadt besonders Spaß), bevor wir endlich unser Hotel in wirklich netter Lage in Sea Point (Stadtteil) auffinden konnten. Wir hatten zu dritt ein nettes "Studio", wie es gennant wurde, für unsere letzten vier Tage zusammen, bis Freya und Freddie mich Richtung zu Hause verlassen sollten.

Abstieg Tafelberg
Da wir wussten, dass die Wetterverhältnisse es nicht unbedingt erlauben, den Tafelberg zu besichtigen, war der Plan, immer als erstes zu versuchen, diesen Punkt abzuhaken, damit wir es nicht am Ende gar nicht geschafft hätten (die mächtige Stahlbahn hat nur zwei Pfähle, so dass die riesige Gondel bei starkem Wind, der in Kapstadt sehr häufig vorhanden ist, gefährdet ist und sie geschlossen wird). Doch nachdem wir uns bei  einem sehr nebligen Frühstück auf dem Balkon mit Ausblick auf den kleinen Berg namens "Lion's Head"  schon gegen den Tafelberg entschieden hatten, lockerte es langsam auf und wir schafften es letztendlich doch noch auf diesen wohl ältesten Berg der Erdgeschichte. Hoch fuhren wir mit der Gondel, genossen den unglaublichen und atemberaubenden Ausblick auf ganz Kapstadt mit der Bergformation der "Zwölf Apostel" im Rücken, entschieden uns aber auf einen Abstieg zu Fuß. Unsere Knie und Muskeln in den Beinen sollten es bereuen, schließlich werden bei diesem Abstieg mit monströsen Steinwegen Muskelgruppen beansprucht von denen man gar nicht wusste, dass sie existieren. Ich denke runter ist eventuell anstrengender und gar nicht unbedingt schöner, schließlich guckt man sowieso die meiste Zeit auf seine Füße und kann nur selten den Blick zum schönen Tal wenden.

Vernebeltes Camp's Bay
Am nächsten Tag ließen wir uns vom schönen Strand am Sea Point entspannen, machten ein paar Einkäufe in unserem neuen Lieblings-Gourmet-Spar (etliche Warm- und Kalttheken, Lindt-Theke, normale Fanta, Kinderriegel, frisch belegte Thunfisch-Sandwiches und, und, und...der neue Himmel auf Erden für die verkafften Freiwilligen aus Skuinsdrift) und starteten anschließend über Clifton, Camp's Bay (bestimmt schon mal beim Bachelor gesehen) und die bekannte Panorama-Küstenroute "Chapman's Peak" (bestimmt ebenfalls beim Bachelor gesehen) über Simon's Town nach Boulders Beach, was aufgrund der dort lebenden Brillenpinguinkolonie an Popularität genießt.
Boulders Pinguine
Diese wollten wir uns natürlich auch ansehen - solange beim losfahren kein Pinguin unterm Auto liegt, auf welche Möglichkeit ein paar Schilder hinwiesen, war auch alles gut. Die Pinguine sind supersüß und man könnte sie stundenlang mit diesem schönen Panorama beobachten wie sie sich ihre Löcher graben oder ins Wasser watscheln, bevor sie elegand durch dieses gleiten um für Futter zu sorgen. Eigentlich wollten wir anschließend auch noch zum Kap, was wir aufgrund unserer Fehlplanung (dieses Mal war nicht Steffi Schuld) heute nicht mehr schafften. Stattdessen fuhren wir auf dem Rückweg eine alternative Route über die andere Kapseite, sodass wir einen kurzen Abstecher in den Surferort Muizenberg und seine berühmten bunten Badehäuschen machen konnten (leider bei sich zuziehender Wolkendecke gar nicht so schön, wie etliche Bilder vorwegnahmen).

Chapman's Peak
Tag drei verbrachten wir nach einem schönen und entspannten Balkonfrühstück in der Innenstadt rund um Company's Garden und dem City Bowl. Zuerst ließen wir uns von dem netten Park innerhalb Kapstadts verzaubern, denn hier fühlt man sich erinnert an den Hyde Park in London, nur etwas dichter bewachsen und irgendwie nicht so trist, sondern so, wie es ganz Kapstadt auszustrahlen vermag - vielfältig, bunt, symphonisch und lebensfroh. Auch die unglaubliche Lage der Stadt kam bei unserem Kapstadt Spaziergang deutlich zum Vorschein. Denn egal, wo man hinsieht, Kapstadt bietet immer eine schöne Kulisse. Entweder es sind die Berge, die man fast immer im Hintergrund sehen kann, die kurzen Straßen, die immer auf etwas schönes zeigen, das Wasser, die Architektur...selbst in den nicht so schönen Vierteln wie Woodstock wird immer wieder das Gleiche unterstrichen: Kapstadt ist unendlich cool und hat irgendwie einen gewissen, unfassbaren Flair.

Boo-Kap
Wir gingen außerdem weiter westlich zum Fuße der beiden "Hügelchen" Lion's Head und Signal Hill (die die beiden Stadtteile Sea Point, Green Point, Clifton und Camp's Bay etwas von der Innenstadt abschotten) wo sich das Boo-Kap befindet, was bekannt ist durch die bunten Reihenhäuschen, die im Zuge einer Kampagne der Stadt in dieser Farbvielfalt gestrichen wurden. Auf dem Rückweg mit dem MyCiti-Bus stiegen wir außerdem, vorbei am Stadion, an der Victoria & Alfred Waterfront aus. Die Waterfront ist ein riesiger Komplex am Hafen Kapstadts, bestehend aus riesigen Schlemmerhallen, einer großen Bühne direkt am Meer, vielen Parkhäusern, netten Restaurants und Läden und außerdem aus einem der größten Kaufhäuser Afrikas - da drin kann man wirklich alles finden.

Kap der guten Hoffnung
Am vierten und letzten Tag ging es dann auch endlich mit unserer lieben, kleinen Agathe zum Kap der guten Hoffnung und zum Cape Point. Nach circa 45 Minuten waren wir am Kap-Nationalpark angekommen und konnten die schöne, unberührte Landschaft genießen. Die Strände, die zwischendurch an der Küste zu sehen waren, waren so weiß und so natürlich und auch das ein oder andere Tier wie ein Strauß oder Affe ergänzten den schönen Anblick perfekt. Am Kap der guten Hoffnung, das leider etwas überfüllt war mit gerade aus einem Reisebus platzenden Japanern, Chinesen, oder was auch immer, konnte man mittels eines kleinen Wegs den Hügel erklimmen - hier war es sehr komisch, sich darüber klarzuwerden, dass man sich gerade am südwestlichsten Punkt Afrikas befindet und man rein theoretisch, wenn man weiter schauen könnte, die Antarktis erblicken würde. Nach einem kurzen Besuch am Cape Point, wo wir es bei einem kleinen Latté und Snack bei weitreichendem Ausblick auf die False Bay beließen und nicht der Berg bestiegen, fuhren wir zurück zum Hotel. Dort wollten wir uns bloß ein wenig ausruhen, bevor wir zum Feiern noch einmal zur Partyecke auf die Long Street los wollten, schließlich würde ich in der Nacht mein 19. Lebensjahr erreichen. Aber Pustekuchen - der Plan war leider für die Katz, denn gegen späten Nachmittag fingen Freya UND Freddie an, sich im fünf-Minuten-Takt zu entleeren und halbtot auf ihren Betten rumzuliegen. Man kann halt nicht alles haben und da macht man nun mal nichts, aber ein Geburtstag, nicht nur im Sommer bei Top und Flip-Flops, sondern auch in einer der coolsten Städte überhaupt, hätte schon spektakulärer sein können. Nun galt es wenigstens zu hoffen, dass es zumindest einem von beiden über die Nacht wieder besser gehen würde, schließlich mussten sie innerhalb von zwei Tagen 1400 Kilometer fahren.

Am nächsten Morgen luden wir mehr schlecht als recht unsere Sachen ein, ich wurde an meinem neuen Backpacker, in dem ich nun fünf Tage alleine in einem Dorm schlafen sollte, rausgelassen und die beiden fuhren ebenfalls mehr schlecht als recht in Richtung Johannesburg.

Fortsetzung folgt...