Südafrika - 12 Monate in der Regenbogennation: Dance!

Montag, 9. September 2013

Dance!

Guten Abend, liebe Welt! Es ist mal wieder viel passiert, hier unten in "The Middle of Nowhere". Von Schlangen und fressenden Katzen über Traditional- und Gumbootdance, bis hin zu "Hakuna Matata".

Bereits am Sonntag fing das nächste Abenteuer an: Projekt "Zeerust" (mal wieder). Schließlich braucht man immer irgendwie irgendwas. Und immer irgendwie irgendwas gibt es nun mal nur in Zeerust (ca. 60 km entfernt). Nach vorherig eingeholten Informationen zufolge, sollte am Sonntag morgen gegen halb elf ein Minibustaxi (fasst ca. 14 Personen) an der Hauptstraße Richtung Zeerust entlang fahren. Leider, wie hätte es hier in Südafrika anders sein können, blieb diese Begegnung mit dem Taxi aus, und wir fanden uns nach einer Stunde immer noch wartend an der Straße wieder. Da es später und später wurde und die Geschäfte in Zeerust Sonntags vermutlich nicht sonderlich lange geöffnet haben würden, entschieden wir uns zu trampen (per Anhalter fahren, allerdings ist das hier etwas Alltägliches, also keine Angst). Das erwies sich zu siebt aber als etwas schwierig und dementsprechend zeitaufwändig. Nachdem uns die ersten 30 km bis zur großen Landstraße ein netter Johannesburger im Kofferaum seines Toyota-Pickups mitgenommen hatte, wollte uns für die restlichen 30 km nach Zeerust irgendwie keiner so richtig dabei haben (sieben desorientiert wirkende Jugendliche würde ich, wäre ich ein Südafrikaner, aber ehrlich gesagt auch nicht mitnehmen). Die ersten wollten nach einer Stunde vergeblichen Wartens schon wieder aufgeben und nach Hause starten, doch wir blieben hartnäckig - zurecht. Kurz darauf nahm uns ein weiterer, sehr netter Pick-Up Fahrer bis nach Zeerust in die Stadt hinein mit. Nun konnten wir uns endlich mit einem verdienten und sehr leckeren Burger bei "Wimpy" und unseren sehr wichtigen Nahrungsmitteleinkäufen im Supermarkt belohnen. Nach kurzer Zeit mussten wir aber schon die Heimreise antreten, da wir unausweichlich nach Sonnenuntergang zu Hause sein müssen (Südafrika ist nicht umsonst eines der Länder mit höchster Kriminalitätsrate - man muss die Dinge ja nicht herausfordern). Das ganze lief dann relativ entspannt ab, da wir nach aufwendigem Suchen schließlich einen Fahrer fanden, der uns für umgerechnet drei Euro pro Person nach Hause fuhr.

Am Montag wurde es auch schon wieder spannend. Nach einem recht langweiligen Schultag in Koffiekraal, stießen Friederike und ich auf dem Heimweg auf die anderen Freiwilligen, die auf der Ladefläche von Arnos Pick-Up saßen (richtig und sehr gut erkannt: Pick-Ups sind hier das A und O!). Als diese uns erzählten, in dem Plastiksack neben ihnen liege eine gefährliche Schlange, die sie jetzt zum Marico-River bringen wollten, lachten wir sie erst einmal aus - so ein Märchen würde ich mir bestimmt nicht nach zwei Wochen auf die Nase binden lassen. Man muss dazu sagen, Wolfram hatte permanent so ein komisches Grinsen aufgesetzt, ich konnte das Ganze nur für einen schlechten Scherz halten. Es kam, wie es kommen musste: In der Tüte befand sich wahrhaftig eine nicht zu unterschätzende, giftspuckende Kobra, die unser Farmbruder Thapelo im naheliegenden Kanal gefunden und gefangen hatte. Arno ließ diese dann vom Sack in das Flusstal fallen und die Schlange verschwand innerhalb weniger Sekunden. Leider ist seit diesem Ereignis meine krampfhaft aufrechterhaltene Überzeugung, hier gäbe es keine Schlangen (nebenbei auch keine Spinnen oder sonstiges Geviehchs), stark erschüttert worden. Zumal Arno am Dienstag schon wieder mit einer kleinen Schlange im Marmeladenglas ankam und sie, zu meinem völligen Entsetzen, den Katzen zu Fressen gab...Naja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt! (Nein, hier gibt es keine Schlangen. Nein, hier gibt es keine Schlangen. Nein, hier gibt es keine Schlangen,...)

Mittwoch folgte auf einen mäßig interessanten Arbeitstag der Schulsport, direkt im Anschluss an den Unterricht. Ich habe mit der Schulmannschaft zusammen Volleyball gespielt. Es hat wirklich Spaß gemacht, die Jungs sind nicht umsonst Bezirksmeister der Schulen geworden. Ich frage mich nur, wie das im Sommer gehandhabt wird, denn Turnhallen gibt es hier nicht und ich fand es schon jetzt im Frühling recht warm. Nächsten Mittwoch kann ich hoffentlich mit der Umsetzung meines Plans, ein Mädchenfußballtraining nach der Schule anzubieten, starten. Tore (vielleicht sogar mit Netz) und Bälle soll es angeblich geben, auch die Schule scheint mich in meinem Vorhaben zu unterstützen, nur ob das Interesse seitens der Schüler auch da sein wird, ist noch fraglich. Ich werde dann demnächst hoffentlich Positives berichten können.

Ansonsten fühle ich mich nach der Zeit und anfänglichen Schwierigkeiten auch in der Schule recht wohl, seit heute gibt es auch wieder fließendes Wasser. Mit meinem Kollegium kann ich mich wirklich gut unterhalten und so sehr viel über Ansichtsweisen und Kultur erfahren. Die ersten Mathestunden durfte ich auch schon geben, allerdings ist es immer noch schwer, sich an die Arbeitseinstellung hier zu gewöhnen. Zum Beispiel ist für mich auch noch keine richtige Struktur sichtbar geworden, was das Ganze nicht unbedingt einfacher macht. So gibt es zwar einen Stundenplan, an den hält sich aber irgendwie keiner. Manchmal ist die Schule auch einfach früher aus, wie zum Beispiel letzten Freitag ("Free Friday, you know"), oder die Lehrer unterrichten nicht und schauen stattdessen ein von mir gemachtes Video, dass ich am Wochenende gefilmt und grob bearbeitet habe (dazu später mehr). Auch von Unterrichtsvorbereitung kann ich bei den Lehrern nicht viel erkennen, so fragte mich die im Lehrerzimmer neben mir sitzende "Business Studies"-Lehrerin, ob ich die Aufgabe auf ihrem Arbeitsblatt verstehen würde und ob ich es ihr erklären könnte. Als ich dieses bejahte, forderte sie mich sogleich dazu auf, die Aufgabe ihren Schülern zu erklären...sie hatte irgendwie nicht so richtig Lust, so mein Gefühl. Durch die Schule habe ich aber unter anderem ein sehr interessantes Wochenende gehabt. Während der Schulzeiten hat eine Schülergruppe nämlich laut singend und tanzend für einen Wettbewerb am Samstag geübt, zu dem ein anderer Freiwilliger von der Farm und ich mitkommen konnten.

Das ganze fand in einem naheliegenden Township von Swartruggens statt. Morgens um halb 6 starteten wir unsere Reise, mit dem Vorhaben, bis sieben Uhr morgens nach Koffiekraal getrampt zu sein, von wo aus dann der Schülerbus einsammeln würde. Um kurz vor sieben und drei vorbeifahrende Lkws später, standen wir immer noch an der Kreuzung Richtung Koffiekraal und hatten keine Ahnung, wie wir es in fünf Minuten dorthin schaffen sollten. Aber was solls - Hakuna Matata halt. Um 7.05 Uhr, ein paar wenige Anrufe später, hielt nun endlich ein Pick-Up Fahrer (da ist er wieder) für uns an und brachte uns bis nach Koffiekraal. Wir trafen bei den anderen Schülern um viertel nach sieben ein und fünf Minuten später kam dann auch unser Bus (Bus = Minitaxi, dass 21 Personen befördern darf, aber schon bevor es bei uns hielt, mit mindestens 25 Leuten besetzt war). Aber egal und puh, alles noch mal gut gewesen. "Und am Ende geht die Sonne doch ganz normal Morgens auf und Abends unter", wie Arno nach diesem "hektischen Zeug" per WhatsApp schrieb. Keeeeeiner nimmt uns dieeeee...Philosophieeee...Hakuna Matataaaaaaaaa!!!
Gut, zurück zum eigentlichen Event. Gegen 8 Uhr, nach viel Gesinge und Getanze der Grundschüler (wir landeten letztendlich im Grundschulbus) und Lehrer im Bus, endlich angekommen in Borolelo, waren wir erst einmal überrascht von der unerwartet hohen Anzahl an Menschen in der Nähe des Vorführungshauses. Auch das Township war wirklich eins der sehr schönen Sorte, am Hang gelegen und so mit Aussicht über ganz Swartruggens. Schöne Gärten vor primitiven Häusern, ein Vierfachdeckertoast mit Pommes, Fischstäbchen, Spiegelei und Mangopampe, tanzende Jugendliche auf der Straße - einfach Südafrika!
Die Competition im Folgenden war zwar auf die Dauer sehr ermüdend, da sich alles zehnmal wiederholte, aber ansonsten einfach nur beeindruckend! Ich hoffe, dass euch der kleine Zusammenschnitt im Anhang ansatzweise so in Bann zieht, wie mich das ganze in Live. Vor allem die Gumboots-Performance sollte euch gefallen, Papa und Philipp! Mehr kann ich dazu auch gar nicht schreiben, außer, dass wir nach einem 15-Stunden-Tag einfach nur erschöpft ins Bett fielen. Überzeugt euch einfach im Folgenden selbst. Auch ein paar neue Bilder habe ich hochgeladen, vor allem das Mondbild von Freddie ist wirklich schön. Hier ist im Besonderen anzumerken, dass sich die Venus neben dem Mond befindet, was nur circa alle zwei Jahre vorkommt (Zitat von irgendwem...).


Sharp, sharp!




P.S.: Heute war es echt wirklich heiß! Ich glaube der Sommer kommt so langsam...Mir wurde aber von den Locals gesagt, dass es nicht so schlimm sei. Also nicht so heiß, als dass man mit Sonnenschirm durch die Gegend laufen müsste. Puh!!! Nochmal Glück gehabt.

P.P.S.: Und nein, die Affen hab ich bisher leider noch nicht wieder getroffen...aber ich hab ja noch 11 Monate Zeit. In den Septemberferien geht es auch erst einmal ab in den Kruger-Nationalpark, da sind Affenfotos hoffentlich Pipifax gegen!

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