Südafrika - 12 Monate in der Regenbogennation: Shalom!

Donnerstag, 26. Juni 2014

Shalom!

Hier auch einmal der Bericht über unsere Shalom-Wochenend-Freizeit, der an die Spender geschickt wurde. Viel Spaß damit!

Freitags ging es mit der ersten Fuhre Kinder, die mit dem Farmtaxi aus den nahen Dörfern der Gegend abgeholt wurden, gegen 14 Uhr zu der ca. 90 Minuten entfernten Farm namens "Shalom" (daher der Name der gesamten Aktion) in der Nähe von Swartruggens. Wir Freiwilligen und ein paar der älteren sind vorher schon mit Arno auf seinem Pick-Up zu dem Ort gefahren, weil das Taxi nur 13 Leute fasst und wir natürlich so viele Kinder wie möglich mitbekommen wollten. Mit insgesamt 21 Leuten auf dem Bakkie war es dann aber doch ganz schön eng und alle waren froh als wir endlich in Shalom angekommen waren.
Bis in die Dämmerung hinein wurden die Kinder mitsamt Gepäck, Decken und Kissen auf dem Gelände abgeladen und die allgemeine Aufregung war groß. Die Zehn- bis ca. Achtzehnjährigen waren sehr aufgredreht, schließlich war die Vorfreude auf dieses Wochenende groß gewesen und nun wurde es endlich Realität.

Für die Ankunftszeit gaben wir Fußbälle, Schläger mit Ball, Luftballons und viele weitere Dinge heraus, damit die Zeit bis zur vollendeten Ankunft aller Kinder überbrückt und die Aufgedrehtheit der Kinder etwas gedämpft werden konnte. Außerdem bauten wir unsere kleine Musikanlage auf und ich ließ ein bisschen "Localmusic" laufen, sodass sich unsere tanzfreudigen Teilnehmer auch in dieser Hinsicht auspowern konnten.

Nach den Zimmeraufteilungen (natürlich Mädchen und Jungs getrennt) folgte das gemeinsame Essen á la Spaghetti Bolognese, was den Hungrigen sehr offensichtlich mundete, denn keiner blieb unter drei Portionen. Mit mehr Fleisch als alles andere kann man bei den Einheimischen sowieso nur alles richtig machen, sodass wir natürlich für jede Mahlzeit (außer einem Mal Frühstück) etwas Fleischiges eingeplant hatten. Dadurch, wie viel die meisten Jugendlichen in sich hinein gestopft haben (selbst mit Anstrengung hätte ich bei bestem Willen nur die Hälfte deren Gesamtverzehr geschafft), konnte man erkennen, was für ein Fest es für unsere Gruppe gewesen sein muss. Zu Hause wird das Essen genau aufgeteilt, je nach Alkohollust und den meist daran gekoppelten finanziellen Zuständen, gibt es oft viel zu wenig oder sogar gar kein Essen auf dem Tisch. In der Schule wird zwar immer ein Mittagessen für die Schüler zubereitet, allerdings nimmt man sich in einer südafrikanischen Schwarzenkultur nicht zweimal und das Essen dort ist sowieso auf eine bestimmte Menge pro Person limitiert.
Nach dem Essen sollte das Abendprogramm folgen, auf dass sich schon alle sehr freuten, denn einige Kinder hatten schon etwas entdeckt: DVDs. Tatsächlich bauten wir in eine Art Gemeinschaftsraum in einem anliegendem Steingebäude einen Beamer mit Leinwand auf, es gab für jeden eine Tüte frisches, selbstgemachtes Popcorn gewürzt mit Salz, Essig und Gewürzpulver (diese Südafrikaner...), plus ein paar Keksen und dann wurde gemeinsam "Big Mommas House" geschaut, was für unser Publikum wirklich die perfekte Wahl war. Vor allem "Big Momma" sorgte für schallendes Gelächter unter den Zuschauern, schließlich hat die Protagonistin des Films sehr viel mit einer typischen, schwarzen Hausmama aus unserer Gegend gemeinsam. Das Ganze verpackt mit einer Prise einfachem Englisch mit Untertiteln, ein wenig primitivem, amerikanischem 0815-Komödienhumor und der den Kindern fernen Symphonie von Schwarz und Weiß - fertig war der perfekte Shalom-Film für das Abendentertainment.

Nach dem Film verteilten wir an jedes Kind Zahnpasta und Zahnbürste, sodass wir anschließend direkt mit ihnen gemeinsam Zähneputzen gehen konnten. Um kurz nach zehn Uhr war dann Zapfenstreich angesagt, allerdings mussten wir Betreuer natürlich sehr schnell feststellen, dass unsere Klabautergruppe nicht annähernd so müde war wie wir. Immer wieder mussten wir aufstehen und die Kinder in ihre Zimmer und Betten verweisen, bis es nach zwei Stunden endlich ruhig wurde - dachten wir zumindest. Bis es auf einmal wieder laut wurde und einige Kinder durch die Gegend rannten, was damit endete, dass einer der jüngeren Jungs mit einem stark schiefem Ringfinger lautstark brüllend an unserer Tür stand. Der ausgebildete DRK-Rettungsassistent unter uns befürchtete erst das Schlimmste, doch mit ein wenig Eis und ein paar Süßigkeiten ging es dem Jungen schon bald etwas besser, trotzdem konnte er am nächsten Tag leider nicht am Fußballturnier teilnehmen.
An dieser Stelle muss man im Nachhinein sagen, dass wir echt Glück gehabt haben, denn wir hatten (sehr fahrlässig) nicht an vernünftige Erste-Hilfe-Utensilien gedacht und waren nur mit ein paar Pflastern angereist. Wäre etwas schlimmeres passiert, hätte das wirklich ins Auge gehen können.
Im kühlen Morgengrauen starteten die ersten Kinder am nächsten Morgen gegen sieben mit dem Duschen, doch die Meisten mussten wir aus dem Bett scheuchen, schließlich war der erste Abend und die Nacht schon sehr anstrengend gewesen. Zum Frühstück gab es Cornflakes mit Milch, Zucker und Kakao und dazu wahlweise Tee oder Saft. 20 Liter Milch und viele, viele Cornflakes waren im Nu verbraucht und auch das Saftkonzentrat, mit dem man aus einem Liter insgesamt 7 herstellen kann (ich finde, es gibt da durchaus bessere Alternativen, aber ich bin ja auch nicht Schwarz) war eine Delikatesse für die Kids.
Für den Samstag, unserem einzigen, vollständigem Tag, hatten wir ein straffes Programm angesetzt.
Wir starteten direkt nach dem Frühstück mit einem Kennenlernspiel, gefolgt von einer Rallye, die acht Stationen umfasste. Für die Stationen hatten wir uns im Voraus lange Gedanken gemacht und die nötigen Dinge extra eingekauft oder von der Farm mitgebracht.
Die Kinder mussten als Team mit selbstausgedachtem Namen verschiedene Aufgaben bewältigen, dessen Erfolg in unterschiedlicher Art und Weise gemessen wurde. So musste man sich zu dritt auf zwei Kästen den Weg über einen imaginären See mit Krokodilen bis zum anderen Ufer erarbeiten, ohne gefressen zu werden, so schnell wie möglich einen Slalomparkour durchqueren, ein Quiz mit unterschiedlichen Fragen beantworten, als Gruppe aufeinander sitzend von A nach B kommen und eine Spielkarte mit dem Mund so oft wie möglich an die anderen Teammitglieder per Ansaugen weitergeben. Die witzigsten und hitzigsten Stationen waren mitunter Station 7, an welcher man in einem Becher Wasser vom einen Behälter in den anderen bringen musste, aber nur auf dem Rücken krabbelnd zwischen den Beinen einklemmen durfte und eine andere, in der jeder Teilnehmer ein Stück Murmelbahn bekam und das Team im stehen die Murmel über eine gewisse Distanz, indem der Hinterste immer so schnell wie möglich wieder nach vorne rennen musste, in der Bahn zu halten. Vor allem das Wasserspiel hat zu großem Amusement geführt, weil man durch das Verschütten des Wassers zwischen den Beinen danach zu 100% so aussah, als hätte man sich in die Hose gemacht. Am Ende der Rallye, nachdem jedes Team jede Station durchlaufen hatte, wurden die Ergebnisse ausgewertet, deren Gewinner am Abend gekürt werden sollten.
Vor und nach dem Essen läuteten wir außerdem ein kleines Fußballturnier ein, für jeden der Lust und Laune hatte ein wenig auf dem kleinen Feld zu kicken. Hier kamen auch einige der gespendeten Importtrikots zum Einsatz, sodass wir ingesamt vier Teams (die Freiwilligen haben auch mitgespielt, gegen die technisch starken Jungs und Mädels aber wenig entgegenzusetzen) bilden konnten. Wir konnten ein Spiel vor und ein Spiel nach dem Essen spielen, bevor wir das Finale leider vertagen mussten, weil das Programm wohl doch etwas zu straff war. Letztendlich konnten wir das Finale leider gar nicht mehr spielen, da Voraussetzung dafür war, dass alle Trikots wiedergebracht wurden. Das war leider nicht der Fall, sodass nun zwei Trikots abhanden gekommen sind (wie auch immer) und es inkonsequent gewesen wäre, das Finale trotzdessen am Sonntag noch auszuspielen.
Mittags gab es ein Grillen (Braai) an der Feuerstelle, was offenkundlich sehr beliebt ist und in dieser Vorliebe in unterschiedlicher Ausführung alle Subkulturen Südafrikas vereint. Es wurden Unmengen an Boerewors (Burenwurst, die ultimative Nationalwurst) und Hühnchen verspeist, dazu eine Tomatensauce mit Pap (ähnlich wie herzhafter Griesbrei).
Anschließend begannen wir mit der T-Shirt Aktion. Wir hatten im Voraus viele weiße T-Shirts eingekauft, von denen nun jeder eins bekommen sollte. Anschließend gab es T-Shirt-Malfarben zum kreativ werden und zwei unterschiedliche "Shalom 2014"-Schablonen, durch die eine Farbkombination aus Sprühfarben auf das T-Shirt gesprayt wurde, welche sich die Kinder aussuchen durften. Am Ende entstanden viele unterschiedliche und total bunte T-Shirts, die individuell verschieden waren, aber durch den einheitlichen Gedanken trotzdem die Gruppe unterstrichen.

Nach dem Abendessen (Stockbrot mit Wiener Würstchen und Nudelsalat, sowie ein Nachtisch voller Begeisterung (Wackelpudding mit Vanillesauce) folgte die Siegerehrung der Rallye. Für die verschiedenen Plätze bekamen die Teams unterschiedliche Gewinnertüten - Von vielen Süßigkeiten über Nagellack, Autos, Flummis und Bälle, Ohrringe und Stifte bis hin zu kleinen Taschenrechnern. Die Freude über die Preise war groß, sodass man die gute Stimmung direkt in die abentliche Disco mitnahm. Die "Locals" sind bekanntlich begnadete Tänzer, deren Ruf sie sich nicht nehmen ließen. Schon in jungen Baby-Jahren lernen die Kleinsten der Familie sich so zu bewegen, wie Mama und Papa esständig vorleben. Für den Abend verteilten wir zusätzlich Freundschaftsarmbänder, Knicklichter und Luftballons, ganz zur Freude der Diskobesucher. Um elf Uhr mussten wir allerdings Schluss machen, da die Musik und vor allem die Jugendlichen sehr laut waren und in der Nähe die Besitzer von Shalom mit Sicherheit bald schlafen gehen wollten. Zum Glück war an diesem Abend die Erschöpfung und Müdigkeit der beste Freund der Freiwilligen, denn diese Nacht schliefen alle sehr schnell und sehr fest.
Am nächsten Morgen fing der Tag ähnlich an wie Samstag - Duschen und dann Frühstücken. Dieses Mal gab es Brot (wie hier ungetoastetes Toast genannt wird), Marmelade, Erdnussbutter, Saft, Tee und für jeden zwei Eier.
Nach der ersten Mahlzeit machten wir uns daran, Gruppen einzuteilen, wer was aufräumt. Es musste abgespühlt werden, die Zimmer, Klos und andere Räume mussten gesäubert werden und die Jugendlichen mussten ihre Sachen zusammen packen und die Betten abziehen. zusätzlich starteten wir noch eine Müllcompetition und setzten einen Preis für den Sieger aus - die Gruppe mit dem Meisten gesammelten Müll sollte gewinnen.
Nach der sehr aufwendigen Säuberungsaktion (manche Kinder sträubten sich da sehr) gab es noch einmal Mittagessen, gekochtes Hähnchen mit Reis und Sauce, als Nachtisch ein paar Kekse für jeden. Anschließend kührten wir noch den Müllsammelsieger und gaben den Jungs und Mädels ihr Shalom-Abschiedsgeschenk: Einen Stoffbeutel mit Trinkflaschen, Stiften, Büchern, Süßigkeiten, Luftballons, Popcorn, Keksen, Stickern, und, und, und. Anschließend ging es teils auf den Bakkie, teils ins Taxi, das außerdem noch den Anhänger mitsamt des Gepäcks aller Teilnehmer hinter sich herzog.
Nun war das Wochenende, auf das wir schon länger hingearbeitet hatten, auch schon wieder vorbei. Wir hatten viel Spaß mit den Kindern, für die Shalom jedes Jahr etwas sehr, sehr wertvolles darstellt, denn so viel Spaß, so viel Essen und so viele tolle Dinge bekommen sie selten ein ganzes Wochenende am Stück. Natürlich war es auch für uns Freiwillige eine supertolle Erfahrung, die wir nicht missen wollen, denn wir konnten die Kinder noch besser kennenlernen und uns selbst dieser Herausforderung stellen, diese Freizeit zu planen und zu realisieren.
In diesem Sinne vielen, vielen Danke an Euch, die ihr dieses Wochenende erst möglich gemacht habt! Die Kinder und wir sind Euch sehr dankbar dafür.

An dem Video bastelt Freddie nun fleißig, da wir aber immens viel Videomaterial aufgezeichnet haben und Videos schneiden nicht unbedingt eine fixe Sache ist, werde ich Euch schreiben, wenn es denn soweit ist. (Anmerkung: Video fertig, auf dem Weg zu YouTube und zu Euch!)
Außerdem haben wir aufgrund Eurer regen und großzügigen Beteiligung sehr viel Geld sammeln können, wovon wir nur die Hälfte für Shalom ausgegeben haben. Wir erörtern momentan mehrere Möglichkeiten, wie das Geld verwendet werden kann. Es sieht so aus, als würden wir in den nächsten Ferien Anfang Juni mit den unter 10-jährigen einen Tagesausflug in den Zoo machen, denn diese Gruppe wurde durch die Altersbegrenzung von Shalom ausgeschlossen (Anm.: Siehe nächsten Blogeintrag). Höchstwahrscheinlich werden wir die final übrigbleibende Summe an die Fahrradfabrik des MRDP, die momentan hier auf der Farm ist, spenden. Die Fahrradfabrik hat 25 neue Arbeitsplätze für Männer und Frauen der Quiet Living-Region geschaffen, die nun von kontinuierlichen Mindestlöhnen profitieren können (was für die Verhältnisse hier sehr viel ist!). Da die Fabrik aus dem Nichts aufgebaut wurde, finanziell labil ist und leider keinerlei staatliche Förderung bekommt, ist das Geld auch langfristig gesehen hier sehr gut angelegt.
Möglicherweise werden wir aus dem Shalomspendentopf auch noch ein Erste-Hilfe-Seminar realisieren oder zumindest unterstützen, bei welchem Erzieherinnen der Kindergärten auf den neusten medizinischen Stand gebracht werden sollen und außerdem die nötige Ausrüstung erhalten sollen.
Falls Ihr noch weitere Fragen an mich habt, stellt sie gerne!!! -> jkhaba12@gmail.com

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