Südafrika - 12 Monate in der Regenbogennation: Jingle Bells

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Jingle Bells

Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich! Ich bin gerade in der Schule und habe die üblichen Freistunden...erst in ca. zwei Stunden habe ich die nächste Klasse in Mathe und am Nachmittag ist wieder Fußball-AG.

In der vergangenen Woche ist eigentlich recht wenig passiert (wobei wenig untertrieben ist, wird aber nun mal jetzt alles am letzten Urlaub gemessen). Von einer Kollegin ist kurz nach den Ferien der Mann gestorben, weswegen sie vorerst nicht in die Schule kommen wird und eine Menge Unterricht ausfällt (juckt hier nicht wirklich jemanden). Am Donnerstag war ich mit meinem Kollegium nach der Schule zu einem Kondolenzbesuch im Elternhaus des Verstorbenen, wobei viel gesungen, gebetet, getrauert und gegessen wurde. Die Frau des Verstorbenen muss während der Zeit, in der der Gatte verstorben ist, aber noch nicht beigesetzt wurde, in einem Zimmer verweilen und trauern. Wir durften zwar für kurze Zeit zu ihr ins Zimmer, jedoch nahm sie nicht bei den Trauerbekundungen, der Kondolenzübergabe, etc. mit ungefähr 35 anderen Gästen teil. Das Wohnzimmer der Familie war dementsprechend voll, wobei ich mich frage, wie die Zeremonie in ärmlicheren Verhältnissen mit weniger Platz ausgeführt werden würde (das Haus war sogar verhältnismäßig nobel, der Vater war einmal Lokalpolitiker für die ANC).

Am Samstag folgte nun sehr früh die Beerdigung, erneut beim Elternhaus (normalerweise geschieht das Ganze bei der Familie, allerdings hatten die beiden kein gemeinsames Haus, weswegen man auf das Elternhaus zurückgriff). Der Kultur entsprechend musste ich meine Schultern bedecken, einen Rock, der bis über die Knie reicht tragen und meinen Kopf mit einem Tuch umwickeln. Allerdings gab es keinen Farbcode, obwohl der Großteil der Menschen trist und unauffällig gekleidet war. Rein theoretisch hätte man aber auch in einem feschen neonfarbenen Colorblockingaufzug erscheinen können...
Erstaunlicherweise und entgegen meiner Erwartungen fanden sich zwischen einer südafrikanischen und einer deutschen Beerdigung recht viele Gemeinsamkeiten. Zu Beginn (7 Uhr morgens) saß man zusammen bei eine Art Gottesdienst in einem weißen Festzelt im Vorgarten der Familie. Es wurden viele Gebete gesprochen und unterschiedliche Leute kamen zu Wort, außerdem bestand die Zeremonie zu mehr als der Hälfte aus singen und tanzen. Währenddessen stand der Sarg des Mannes vorne am "Altar" und wurde als Abschluss des Trauergottesdienstes von Angestellten des Beerdigungsunternehmens in eine schwarze Limousine getragen. Gegen halb 11 folgte die Beisetzung auf einem nahegelegenen Friedhof, zu welchem die Gäste mit ihren Autos in einer langen Schlange, begleitet vom eingeschalteten Warnblinklicht, fuhren.
Angekommen, wurde erneut viel gesungen und somit die Trauer verarbeitet und den Hinterbliebenen Mut zugesprochen. Anschließend wurde der Sarg in das bereits ausgehobene Grab hinabgelassen, der Priester sprach ein paar letzte verabschiedende Worte und warf den ersten Haufen roten Sand in das Loch. Daraufhin begann man sich abwechselnd das Grab zuzumachen, wobei erneut kräftig und leidenschaftlich gesungen wurde. Während in Deutschland auf Beerdigungen größtenteils geschwiegen wird, ist sie in den traditionellen Schwarzen Dörfern eher von Leidenschaft und Zuversicht durchzogen.

Nach der Beisetzung ging es zurück zum Haus, wo schon lange Schlangen vor dem Essen warteten - die Anzahl der Gäste hatte sich plötzlich verdoppelt, offensichtlich lässt sich ein Beerdigungsessen niemand, der den Verstorbenen auch nur flüchtig kannte, entgehen. Das Essen war erstaunlich lecker (das Aussehen allein ließ dies nicht erahnen) und vor allem die Nachtisch-"Cakes" erinnerten mich irgendwie an Weckmänner, wodurch man sich gleich heimischer fühlte. Nach dem Essen unterhielten sich meine Kollegen noch sehr lange mit der Witwe, bis es gegen 15 Uhr endlich zurück nach Hause ging. Alles in einem hat sich das frühe Aufstehen und der Besuch der Beerdigung gelohnt, weil es sehr interessant war, der fremden Kultur noch etwas näher zu kommen (das Essen hat im Übrigen auch noch echt viel raus gehauen). Allerdings muss ich jetzt nicht unbedingt so oft zu einer Beerdigung, da die Zeremonie insgesamt sehr langwierig war und vor allem dadurch etwas anstrengend wurde, dass fast ausschließlich Setswana gesprochen wurde - nebenbei ist eine Beerdigung auch vom Kern her nichts sonderlich tolles.

In der Schule habe ich einen kleinen Fortschritt zu verbuchen, da ich mir einen eigenen Raum organisieren konnte, in dem ich nun auch etwas Platz habe und jeweils kleinen Schülergruppen eine Art Intensivunterricht geben kann. Es ist um einiges entspannter und effektiver, in einer kleinen Gruppe aus sechs Leuten ein Thema zu vertiefen, als in einer riesigen Klasse aus 31 oder 64 Schülern. Allerdings ist mir während dieser ein, zwei Stunden deutlich aufgefallen, wie mangelhaft teilweise selbst in der neunten Klasse Englisch gesprochen wird. Angesichts der Tatsache, dass nahezu jedes Fach final in Englisch getestet wird und Englisch dementsprechend das größte Hindernis ist, um den angestrebten Schulabschluss zu erhalten, werde ich wohl ein paar Englischvertiefungskurse organisieren.

Am Samstag waren wir mit insgesamt 16 anderen deutschen MRPD Freiwilligen in einem naheliegenden Pub, in dem wir mehr oder weniger die Wiederholung des Rugby Spiels der "Springboks" gegen die "All Blacks" verfolgten und uns währenddessen über die jeweiligen Zustände unserer Projekte austauschten. Dafür, dass das südafrikanische Nationalteam verlor, waren die anwesenden weißen Afrikaner eigentlich noch ziemlich gut gelaunt. Nebenbei ist es immer wieder interessant, sich  mit anderen deutschen Freiwilligen über das Land und die unterschiedlichsten Eindrücke und jeweiligen Verhaltensweisen auszutauschen. Das nächste Mal werden wir nur eigene Musik mitbringen müssen - nach dem man während des Abends zum fünften Mal den "Total Eclipse Of My Heart" - Technomix über sich ergehen lassen musste, wurde das Vorhaben sofortig mit dem Baarkeeper besprochen.

Loanes Pool
Am Sonntag lud uns Loane, der wohlhabende Weiße aus Johannesburg, bei welchem wir gekellnerten hatten, zu einem Braai auf seinem Wochenendgrundstück ein. Bei bestem Wetter durften wir seinen Pool benutzen um uns abzukühlen und die Aussicht genießen. Dies tat echt gut, man merkt nämlich langsam aber sicher, dass es heißer und heißer wird und es in der Sonne nicht mehr so gut auszuhalten ist. Gegen Nachmittag begannen wir dann das Festessen mit typisch viel Fleisch und eher wenigen Beilagen. Auch der Nachtisch, "Tarté Chocolat" oder so (I don't like french), war super lecker.

Montag Nachmittag war ich das erste Mal mit allen zusammen in der nächst größeren Stadt (übertriebene Bezeichnung) beim Yoga. Wie die meisten wahrscheinlich wissen, ist es eher weniger ein Sport, den ich favorisieren würde und tatsächlich dachte ich während der 1 1/2 Stunden zwischenzeitlich, dass mein Rücken in den nächsten Sekunden auseinander klappt. Nebenbei ist es sehr anstrengend, den fast permanenten Lachreiz zu unterdrücken, da es doch sehr amüsant ist, wenn die ganze Gruppe als "Baum" auf ihren Matten steht und nebenbei während des Ausatmens "Ooooooohhhhhmmmmmmmmmmmmm" summt. Trotz dieser wenigen Unannehmlichkeiten werden wir als Gruppe die Stunden regelmäßig fortführen, zumal circa 5-6€ für 90 Minuten nicht sonderlich teuer ist.

Gestern war ich zur Abwechslung in meiner Schule "krank", damit ich einer anderen Freiwilligen bei der Vorschulklasse in Skuinsdrift unter die Arme greifen konnte. Ich durfte endlich mal etwas länger schlafen, war früher zu Hause und besuchte vorher noch die "Stadt" (ein Pakeeeet hab ich auch bekommen :) :) :) - Ovomaltine Schokocream macht einem zum Frühstück doch gleich bessere Laune). Die Kinder der Grade R (Vorschule) waren wirklich süß, allerdings auch gleichermaßen anstrengend. Ich kann Harriet schon verstehen, dass sie lieber jemanden dabei haben will, der sie hier und da etwas entlasten kann. Wir haben den Kindern die Vokale nähergebracht und mit ihnen Schreibübungen zum "E" gemacht. Zwischendurch gab es ein paar Laufspiele auf dem Fußballplatz und den täglichen Morgencircle, der mit Liedern wie "Head and shoulders,...", "My Bonnie is over the ocean", "Run, run, run my baby" und vielen mehr gefüllt wurde. Am Ende bekamen wir sogar den CD-Player und die neue Musik zum laufen, wodurch wir neue, unbekannte Lieder einstimmen konnten. Als dann plötzlich lauthals zusammen "Jingle Bells" gesungen wurde, war das Gelächter der Köchinnen groß (dabei ist hier der ein oder andere Supermarkt bereits stark kitschig dekoriert, die ersten Weihnachtslieder habe ich auch schon vernommen. Ist zwar noch nichts gegen die ersten August-Nikoläuse in Deutschland, aber immerhin eine Konkurrenz!). Der Tag in der Vorschulklasse war insgesamt sehr anstrengend, aber auch sehr spaßig und zufriedenstellend, weil man wirklich das Gefühl hatte, bei den Kindern etwas bewirkt zu haben (wenn auch vielleicht nur minimal). Leider gibt es für mich frühestens im Januar die Möglichkeit, die Vorschule öfter zu besuchen, da meine Organisation durch die Vergabe der weltwärts-Stellen wohl vertraglich an die Schule gebunden ist und mein Principal nicht will, dass ich auch nur einen Tag abwesend bin. Im Januar könnte man laut Arno dann nochmal sein Glück versuchen...

Muckiiiiiii
So, das war es auch "schon wieder" !

Sharp, sharp

Ach nein STOP!!! Das wichtigste hab ich noch vergessen...neben den kleinen BAAABY-Küken haben wir nun auch winzig kleine BAAAAABYYYYY-Katziiiiis! Ein paar sind weg...aber zwei sind noch da. Soooooooo süß! Meine neuen Paten!


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